<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-6050194908807026426</id><updated>2011-07-31T03:05:57.823+02:00</updated><title type='text'>Mein Herz und ich</title><subtitle type='html'>Badaboom - der Infarkt erwischt mich kalt. Ich sterbe fast, aber eben nur fast. Wie das war und was jetzt ist - hier steht's. Obwohl mir nicht durchgehend lustig zumute war, ist es launig geschrieben. Viel Spass beim Lesen!</subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>Big Al's Daddy</name><uri>http://www.blogger.com/profile/05681753165724620269</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>13</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6050194908807026426.post-8078761821253569372</id><published>2009-08-16T16:26:00.000+02:00</published><updated>2009-08-25T16:28:14.816+02:00</updated><title type='text'>33. (Reha 12): Noch’n Sonntag und sonst gar nix</title><content type='html'>&lt;span xmlns=""&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Es gibt nichts, in Worten: NICHTS zu berichten. Selten habe ich in meinem Leben Zeit so verloren wie hier.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Eins im Sinn, behalte vier, weg drei: 12. Tag rum, noch neun!&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6050194908807026426-8078761821253569372?l=bigalsdaddysherz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/feeds/8078761821253569372/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/33-reha-12-nochn-sonntag-und-sonst-gar.html#comment-form' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/8078761821253569372'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/8078761821253569372'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/33-reha-12-nochn-sonntag-und-sonst-gar.html' title='33. (Reha 12): Noch’n Sonntag und sonst gar nix'/><author><name>Big Al's Daddy</name><uri>http://www.blogger.com/profile/05681753165724620269</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6050194908807026426.post-9144712110962729497</id><published>2009-08-15T16:26:00.000+02:00</published><updated>2009-08-25T16:27:54.509+02:00</updated><title type='text'>32. (Reha 11): Visite</title><content type='html'>&lt;span xmlns=""&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Hurra-ra-ra! Glucke-san kommt heute zu Besuch, und mittags ist Ha-ha-halbzeit. Bergfest sozusagen, selbst wenn dieser Ausdruck die Erlanger verwirren könnte. Ich freue mich wirklich und ganz ehrlich darauf, dass mein geliebtes Weib heute hierherkommt. Wir sind uns zwar schon im März '73 über den Weg gelaufen, so neu ist unsere Beziehung also nicht, aber ich hoffe, dass es ihr ebenso wie mir geht und sie sich mit faustischen Gedanken ("… von Zeit zu Zeit seh' ich den Alten gern…") diesem Ort und dieser Stunde nähert.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Während sie hierher rattert… da fällt mir als Nebengedanke die große Ähnlichkeit von Japanisch und Fränkisch auf: ‚Kyu-do' = ‚Weg des Bogens", "mid dera Bahn do" = Weg des Eisens (Eisenbahn).  Öhm, also, während sie dies tut, gehe ich Wassertreten. Das nun der Rede kaum noch wert wäre, jeder von euch weiß es, es ist hier im Keller, wenn man dabei nicht die seltsamsten Typen träfe. Heute früh, und es WAR früh, präzise 7.00 Uhr, traf ich auf ein Zelt gefüllt mit Mensch, in dem Tretbecken. Ich dachte stante pede an Kesselsuppe mit Beinscheibe (ja, die Reduktionskost macht wirr), aber wäre ich Kannibale, das wäre ein Wintervorrat gewesen! Jetzt gibt es so ein ungeschriebenes Kellergesetz: wenn jemand in dem einen Becken steht, geht man in das andere oder wartet, für den unwahrscheinlichen Fall, dass kalte und warme Seite, also beide, schon getreten werden. Aber die hing so über, dass ich auch in dem anderen Becken Platzprobleme bekommen hätte, weil dazwischen halt nur so eine dünne Trennwand und ein Edelstahlhandlauf sind. Und was macht dieses Mensch? Es hebt sein Kleidchen (mit lila Blumenmuster) und flötet: "Kommen Sie nur mit herein, mir macht das gar nix, so breit sind wir beide ja nicht, gell, hihihi…" "Hihihi?" "Ja, gell, hihihi!" Also, um die zu ertragen, muss man breit sein. Das habe ich natürlich nicht gesagt, sondern nur verzückt gelächelt. Als instantaner Dank für diese unmenschliche Selbstbeherrschung kam der Bademeister um die Ecke und sprach "Ned zu zweid nei, sonsd werd der Wassäschbiegl zhoch."&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Es, äh, sie hat ihn bitterböse angeblitzt und wenn Blicke töten könnten, wäre dieser nette Unterfrank einen grauenvollen Tod gestorben. So konnte er Bemerkung 10b für rollige Mammutweibchen hervorziehen: "Dennas mir ned mid dem Mann schägern, der is grank!" Und um seine Autorität ins Unermessliche zu steigern, fügte er hinzu: "Un Sie aa!" Recht hat er, der Master. Danach war Frühstück und dann Sport und jetzt wird's so hektisch, dass ich mal einen Zeitplan schreibe:&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;7.00 Beginn Wassertreten, bekleideten Urelefanten im Tretbecken vorgefunden (s.o.)&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;7.05 Ende Bademeisterbemerkung, Beginn Warmwasserbecken 1&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;7.07 Beginn Kaltwasserbecken 1&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;7.08 Beginn Warmwasserbecken 2&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;7.10 Beginn Kaltwasserbecken 2&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;7.11 Beginn Warmwasserbecken 3&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;7.13 Beginn Kaltwasserbecken 3&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;7.14 Abtrocknen&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;7.15 Zurück aufs Zimmer, Rucksack mit Turnschuhen, trockenem Handtuch und leerer Wasserflasche holen, nasses Handtuch und Badehose wegbringen, zum Speisesaal wetzen&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;7.17 Semmeln, Belag und Teller holen (Buffet)&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;7.19 Semmeln schneiden, belegen, Kaffe eingießen, Süßstoff, umrühren&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;7.21 Frühstücken, kauen, schlucken, kauen, schlucken.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;7.25 Wasser am Brunnen abfüllen&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;7.26 Medikamente einnehmen&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;7.27 Zur Sporthalle wetzen&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;7.28 Sportschuhe anziehen&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;7.29 Therapieplan zum Abzeichnen abgeben. "Moin." "Moin." "Irgendwelche Probleme mit dem Zeitplan?" "Wie meinen Sie?" "Ja, ist 7.30 zu früh für Sport?" "Neeeeiiiiiiin, alles prima." Ich hasse mich für diese Antwort, denn es war eine reine Hetzerei. Aber es hat einen perversen Spaß gemacht, trotzdem pünktlich zu sein &lt;span style="font-family:Wingdings;"&gt;J&lt;/span&gt;. Natürlich wissen alle Beteiligten, dass dieser Zeitablauf für die medikamentenabhängigen Herzpatienten ein völliger Unfug ist und negativ in nahezu jedem Kritikbogen, den man ja am Ende abgeben darf, erwähnt wird. Aber es ändert sich nichts, ergo ist es mir auch wurscht.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Heute ist ja Samstag, also durften wir uns aussuchen, was wir machen wollten. Entweder "Federballschläger raus, Federbälle raus, oder Tennisballschläger raus, Tennisbälle raus oder… Hockeyschläger raus, Hockeybälle, ähm wie heißt das richtig? Puck, nö? Pucks raus! Das klingt, als wolle man den kleinen Mitbewohner des Meisters Eder aus der Werkstatt werfen… Wir entschieden uns wie die polnische Pornotante: "Die richtige Antwort itht dä." Bälle raus und pritschen, ne dopsen, ähm, meine Nomenklatur versagt, prellen? Also auf dem Boden aufditschen, sodass er zurückspringt, der Ball. Mit rechts, dann eine Runde mit links, dann abwechselnd, uuund dabei rennen, nicht gehen. Wer nicht mehr kann, bleibt stehen oder geht langsam weiter…" Es ist 7.45 Uhr, meine Tabletten habe ich wie oben beschrieben erst genommen, das Frühstück ist auch gerade erst drunten und nach 15 Runden dachte ich… schnauf… "Warum hört sie denn heute schon auf… schnauf?"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Nach weiteren 7 Minuten, nach noch mal 7 Minuten… schnauf… dachte… schnauf… ich, das geht ja eigentlich… ich kann das ohne Röcheln hinkriegen. Da fehlt schon noch eine Menge, aber jetzt glaube ich, dass ich es schaffen kann. Der Rest ist Schwitzen und Rennen, 5 Mann, 300 Jahre Lebenserfahrung und eine Menge Spaß.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Nach der Dusche bin ich recht zügig zu meinem Auto gestiefelt, schließlich wollte ich nicht zu spät am Bahnhof sein – 9.28 Uhr kommt der Zug und es war schon fünf nach neun. Am Bahnhof angekommen stellte ich fest, dass meine rechte Hand leer war. Das ging nicht, rechte Hände haben bei der Abholung von Frauen  - zumal den eigenen - an Bahnhöfen etwas zu umschließen, bevorzugt Blumen. Aber an diesen tollen supermodernen Bahnhöfen gibt es nichts mehr, keinen Kiosk, keinen Blumenladen, nix. Oder doch, ja, es gibt einen Zeitungsladen. "Grüß dich Schatz, toll, dass du da bist, hier für dich die neue Süddeutsche, kannst sie ja gleich, wenn wir im Zimmer sind, ins Wasser stellen." Irgendwie kommt das nicht gut. Also bin ich heimlich über die Gleise getapert (was nicht schwer war, hier gibt es nur drei) und habe höchst eigenpersönlich eine Wildrose gefunden, mich bei ihr entschuldigt und sie dann gepflückt, um sie meinem geliebten Weib zu präsentieren. Das war gut, denn Minuten später kam der Zug um die Kurve gebummelt, in echter Kurstadtgeschwindigkeit, also etwa mit 20 km/h. Quietsch, brems, ja woissedenn? Ach, da vorne. Ich stehe immer zu weit hinten bei den Zügen. "Grüß dich Schatz, toll, dass du da bist, hier für dich eine selbstgepflückte wilde Rose, kannst sie ja gleich, wenn wir im Zimmer sind, ins Wasser stellen." Bussi, umarm, tascheabnehm – ich habe mich WIRKLICH gefreut.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Und sie auch. Hand in Hand sind wir zum Auto geschlendert und zurück zur Klinik gefahren. Da ich um elf noch einmal ergotrampelmetern musste, waren wir ein wenig gebunden, aber die Organisation hier ist so großartig, da fällt dir sowieso nix zu ein. Warum am Samstag überhaupt ‚Anwendungen sind, habe ich erst später – genauer gesagt, einen Tag vor Abreise erfahren.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;&lt;em&gt;Also heute, denn dies ist ein Einschub aus der Zukunft: um zu verhindern, dass in der Nähe der Reha-Einrichtungen Wohnende am Freitag nach Ende der letzten ‚Anwendung' (die ist manchmal schon um elf) nach Hause fahren und erst Montag früh vor dem ersten Wiegen wieder auftauchen, werden am Samstag, manchmal sogar am Sonntag einige wenige Anwendungen angesetzt.&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Tja, und auf diese Tour haben die uns unseren Samstag ein bisschen versaut, aber was soll's. Wir haben einen neuen &lt;span style="text-decoration: line-through;"&gt;Mithäftling&lt;/span&gt; Mitpatienten, der sagt immer "Das Leben ist kein Ponyhof!" und glaubt, damit sei alles erklärt. Wobei mir persönlich durchaus schleierhaft ist, in welch globalen Kontext die agricolare Aufbewahrung von kleinwüchsigen Pferden der psychosozialen Aufarbeitung von ärgerlichen Terminstrukturen am Sabbat dient.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Um halb zwölf kam ich dann völlig verschwitzt aber endlich off duty zurück ins Zimmer, in dem mein Weibi dabei war, mit Hilfe von roten Papierservietten und mitgebrachten Broten ein hervorragendes Mittagessen zu stegreifen. Eigentlich wollten wir ja essen gehen, man erinnere sich, dass ich die Mittagessenabmeldung irgendwo erwähnte. Aber, wie das so ist, beim Planfeststellungsverfahren, was wir denn nun in dieser aufregenden Gegend täten, kannten wir den Therapieplan noch nicht. Schon lange haben mir Wurschtbrote aus Wurscht und Körnerbot nicht so gut geschmeckt. It's the company! Dann geduscht, die Medizin eingeworfen und auf zum Auto – nix wie raus hier. Wir fuhren ins Kurzentrum dieses Städtchen, das mein Weibi vor siebenundmurmelzig Jahren schon einmal besucht hat, als kleines Mädchen. Und sie erinnerte sich an ein paar Dinge, denen wir nachforschen wollten, an die Wandelhalle mit den blitzenden Wasserhähnen, an die komischen Reisigmatten, über die damals das salzige Wasser lief und sprühte, an den grauenvollen Geschmack des Heilwassers des Fürsten Kotzary oder so ähnlich…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Und was soll ich euch sagen – es war genauso! Sie hat sich über all die Jahre an Dinge erinnert, die würde ich mir nicht einmal merken, wenn ich davor stünde. Das war eine sehr schöne Tour in die Vergangenheit, gekrönt durch zwei Kugeln viel zu warmen, viel zu teuren Pickenmöv-Eises und einem sehr faulen, nachgerade therapieschädlichen Langsamgang durch einen Kurgarten. Wir beide sind nicht mehr ganz jung, haben aber den Altersdurchschnitt bis ins Unbrauchbare gesenkt, als wir den Garten betraten. Was jetzt älter war, die Biedermeier- und/oder Jugendstilbeschläge des Kurgartentores oder die darin versammelten alterslosen Gespenster, also Pit! Damen, wer mag das sagen? Interessant für die demoskopische Betrachtung eines hinreichend großen Stichprobenumfangs: Frauen leben länger als Männer oder sind schlauer bei der Tilgung des jeweils anderen.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Es war heiß! Und ging mir also folgerichtig auf den angesengten Kreislauf, was mich wiederum zu der Bitte motivierte, ob wir hier weg und woanders hin könnten, oder ob… Nein, das wäre schon ok. Wir fuhren zu einem Waldtierpark, in den wir nicht gingen, es war zu wenig Waldtier, sogar zu wenig Wald UND zu wenig Tier in zu wenig Park für zu viel Dreck und zu viel Euro. Der Besuch im gegenüberliegenden Restaurant aka Waldschänke erwies sich aufgrund eines Wespenangriffs als für mich nicht erträglich. Sagt mir Paranoia nach, schimpft mich einen herzkranken Schwächling – sobald die Anzahl der Wespen die der anwesenden Gäste um ein Vielfaches übertrifft, ist meine gute Grille perdu! Also Flucht zur alten Saline, die als nächstes Ziel ins Navi gehackt wurde und… ein Parkplatz, ein Schild, ein Museum. Keine Saline. Keine Obere und keine Untere. Was wir nach ein paar Irrfahrten und Fragen, wo denn nun eine Saline wäre/sei, als erledigt betrachteten und zurück zur Klinik rumpelten. Schließlich gab es Abendbrot, zu dem ich mich ja nicht abgemeldet hatte. Was würde also geschehen, tauchte ich dort nicht auf? Richtig, ein Trupp im Schweinsgalopp mit Defi Richtung Zimmer 8. Das wäre, glaube ich, das Letzte, das ich jetzt bräuchte. Also, flugs das Weibi mit an das fantastische Salatbuffet geschleift (es gab wie immer Salat und Salat, dazu Salat mit Salat, zwei Sorten Dressing, ohne was und mit nix) und geabendbrotet.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Es ist ein Horror, wie der Ablauf von "Zeit" von der Dimension abhängt, in der man sich gerade befindet. Ein normaler Tag hier vergeht so quälend langsam, dass ich schon geschaut habe, ob die Zifferblätter der Klinikuhren nicht eine 36er-Teilung haben. Und kaum ist mein Mädchen da und wir laufen ein wenig im Viereck, zack! ist der Tag rum und ich muss sie schon wieder zum Bahnhof bringen. Heul.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Um 19.01 fuhr der Zug. Ich winkte hinterher. Es gefiel mir nicht.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Für Buchhalter: 11. Tag vorbei, noch zehn.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6050194908807026426-9144712110962729497?l=bigalsdaddysherz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/feeds/9144712110962729497/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/32-reha-11-visite.html#comment-form' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/9144712110962729497'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/9144712110962729497'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/32-reha-11-visite.html' title='32. (Reha 11): Visite'/><author><name>Big Al's Daddy</name><uri>http://www.blogger.com/profile/05681753165724620269</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6050194908807026426.post-2840710653024647189</id><published>2009-08-14T21:26:00.000+02:00</published><updated>2009-08-21T21:28:23.841+02:00</updated><title type='text'>31. (Reha 10): Abhängigkeiten</title><content type='html'>&lt;span xmlns=""&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Moin, moin geliebte Leser, hier &lt;span style="text-decoration: line-through;"&gt;spricht&lt;/span&gt; schreibt Ihr Selbstversuchsreporter aus dem diabetologischen, kardiologischen, orthologischen, nee, Stuss, wie heißt denn das, wenn die Hufe kaputt sind? Orthopädisch. Genau, also aus dieser sanatorialen Umgebung, die im ganzheitlichen Ansatz… irgendwie klingt das so, als würde es mir hier gefallen. Ist nicht so. Ich möchte weg. Kann aber nicht, ich bin abhängig von meinem Leistungsträger, also von dem, der das hier bezahlt. Nachdem das die Rentenversicherung ist, zahlen wir alle das hier mit. Über unsere Steuern. Also bleibe ich und genieße…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;… so wie der 78jährige Herr A.B. Staub-Nassauer (Name von der Red. geändert), der seit 1984 regelmäßig hierher kommt und jetzt schon zum achten Mal seinen Jahresurlaub, ne wart mal, das heißt anders, seine Kur, ja, genau Kur, auf unser aller Rücken genießt.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;… oder wie der Herr S. Imul von Schnorr (Name auch von der Red. geändert), der tagsüber mit seinen tiefergelegten metallic-türkisfarbenen Krücken daherkommt wie das Leiden Jesu und am Samstag auf der Ü70-Party alle begattungsbereiten Seniorösen bestäubt, unabhängig von Gehwagen, Rolli oder Edelstahlhüfte – natürlich unbekrückt und pumperlgesund – auf Kosten der steuerzahlenden und sozialabgabenpflichtigen Allgemeinheit.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;… oder wie die Frau G. Ottis-Mirübel (Name erst recht von der Red. geändert), die eigentlich schon seit etwa 25 Jahren tot ist und das auch allen erzählt. Zum 7. Mal auf Kur, aber immer woanders, damit man auch mal was sieht von der Welt, gesponsert unter anderem von den Niedriglohnempfängern.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Sie alle sind abhängig von irgendeinem Arzt, der Kuren beantragt, soweit das Budget reicht. Nicht nach Indikation, sondern nach Gusto oder Verwandtschaftsgrad, je nachdem, welches unheilige Beziehungsgeflecht da unsere Krankenversicherungskosten in die Höhe treibt. Naja, ich bin ja auch hier, aber wenigstens krank, seufz.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Heute war mal wieder Trampelergomat, wie eigentlich jeden Tag, aber es war um 8, statt wie üblich um 10. Mittlerweile habe ich den Plan so umschreiben lassen, dass ich praktisch nur um 10 oder später ergometere. Warum? Weil es mir vorher nicht bekommt, oder sagen wir, nicht gut geht dabei. Bis die Medikamente meinen Körper einigermaßen gleichmäßig mit dem Giftzeugs versorgt haben, vergeht einige Zeit (Stichwort "Spiegel") und vorher stimmt die gesamte Chemie nicht mehr – jedenfalls solange ich unter Medikation stehe. Da kann man mal sehen, wie abhängig man von dem Pillenkram wird. Und so war dieser Tag mit einem ganz miesen Anfang versehen, der Freitag, der Speitag. Welche besondere Bedeutung dieser Schüttelreim noch bekommen sollte, erfahren wir nächsten Donnerstag.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Danach ging's zum Entspannen – Jacobson lässt grüßen. Hier der Originaltext des letztmaligen Trainings. Jetzt können wir es dann, aber ich schreibe es eher nicht der Erbaulichkeit und des Unterhaltungswertes wegen auf, sondern aus Dokumentationsgründen:&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Wir setzen uns mal so hin, dass wir entspannt sitzen können… es hängt natürlich alles davon ab, ob Sie die Übungen beherrschen." "Entschuldigung, sollten wir nicht im Liegen entspannen?" "Doch, natürlich, legen Sie sich einfach hier zwischen uns auf den Boden." Das war eine gute Antwort von der Psychopiepse, denn die erfahrungsgemäß mit ebenso großer Dämlich-, wie Hartnäckigkeit ausgestattete Fragerin hielt praktisch aus dem Stand die Waffel. "… und schließen die Augen. Jetzt machen wir mit der rechten Hand eine Faust und spannen den rechten Unterarm an. Wir halten die Spannung!" Das ist das Mantra der Jacobsonisten: "WHDS – wir halten die Spannung…!" 10 Sekunden. "Uuuun enspannen!" 30 Sekunden. Also nicht "enTspannen, das kann ja jeder, wir enspannen, wir sin so enspannd, da isd kein t drin, im gansen Sads nichd. Dideldumpfeifjööööööööööl. Singsingjaul. Dideldumpfeifjölala. Das Ganze mit der linken Hand und dann mit beiden, immer 10 s. "Uuuun enspannen!" immer 30 s lang. "Wir legen beide Hände auf die Schultern." (Die eigenen, Depp, nicht auf die der Nachbarin und von vorne und nicht von hinten! Und auch nicht mit ganz großen Schritten…), ähm, wo war ich? Ach ja, auf die Schultern, "…sodass es im Oberarm spannt. …!" "Uuuun enspannen!" 10/30. "Wir spüren, wie der Atem durch das rechte Nasenloch streicht…" Scheiße, ich hatte gerade mit links eingeatmet, jetzt ist bestimmt der ganze Jacobson im Eimer. "Jetzt enspannen wir unser Gesicht. Dazu ziehen wir die Augenbrauen ganz nach oben. WHDS.WHDSSSSSSSSS." "Uuuun enspannen!" "Wir kneifen die Augen zusammen und rümpfen die Nase."&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Ich konnte nicht widerstehen. Ich öffnete die Augen statt zu kneifen, blickte in die Runde und erschrak. Wäre ich ein Außerirdischer und dies wäre mein Erstkontakt, ich müsste tentakelwackelnd zur Untertasse auf- und aus meinen sämtlichen Mägen brechend von hinnen fußeln. Oder anders, wo finden die die Leute für Dschörmannie's näkst Toppmoddl? Hier nicht. Nachdem ich mich einigermaßen wieder unter Kontrolle hatte, kniff ich erst wieder die Augen und dann die Lippen fest zusammen, damit ich nicht losbrüllte. ‚Lachen' wäre diese Lautäußerung eh nicht mehr zu nennen gewesen, außerdem ist das Lippenzusammenpressen die dritte Übung. "Uuuun enspannen!".&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Wir spüren, wie wir in den Bauch atmen." Die Formulierung finde ich physiologisch höchst bedenklich. Bei einem akuten Lungenödem oder einem Zwerchfell-Durchschuss könnte das Atmen in den Bauch gelingen, zumindest bis zur Embolie, aber unter pseudonormalen Umständen wie hier bei uns? "Wir enspannen unseren Nacken. Dazu ziehen wir die Schultern stark nach oben, bis es zieht. WHDS." "Uuuun enspannen!" 10/30. "Wir neigen den Kopf nach links, bis es auf der gegenüberliegenden Seite zieht." Ich wartete gespannt. "Auf welcher Seite?" Die Frage kommt immer, ich führe eine Strichliste. Mindestens eine(r) fragt. "Gegenüberliegend." "Also, wenn ich den Kopf nach rechts tue, dann rechts hinten?" "Nein, links hinten." "Aber Sie haben doch gesagt: ‚gegenüberliegend'" "Ja, eben." "Also, wo jetzt?" Erinnert ihr euch an Würfel links und Bälle rechts? Die anscheinend suboptimale Versorgung von Teilen des Prekariats mit synaptischen Konnektoren führt vermutlich zu einer Bruttosozialprodukts-Minimierung von mehreren Milliardeuronen pro temporaler Abschnittszählung. Und es nervt bei Jacobson.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Bis zum Ende dieser Stunde, die gleichzeitig das Ende der Jacobson-Trainingssessions darstellte (juhu), geschah nichts mehr, das des Berichtens wert wäre, oder es ist mir entgangen. Gehuppt wie geduppt habe ich nichts mehr zum Zeilenschinden und springe nahtlos in den Keller des Hauses.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Was wolle Se denn do? Meene Se dasse do richdich sin? Oder wolle Se was holl?" Das bemüht hochdeutsche Sprechen eines endungslosen Untergefrank drang an das Watschel meines Ohres. "Ja, nein, ich suche den Masseur." Der vor mir Stehende sah aus wie einer. "Ich wär einer. Un?" "Der soll mich dann massieren." Mit dem ultimativen Hinweis auf eine ‚Anwendung' reckte ich ihm meinen Therapieplan entgegen. Er brummte, nahm mit seiner Pratze (‚Hand' trifft nicht) den Bogen, kringelte drauf, gab ihn mir zurück und meinte, dass er jetzt ja nicht mehr massieren müsste, weil er es abgezeichnet hätte, ich könnte gehen, wenn ich wollte. Das hielt ich für einen so seltsamen Anfang für eine Massagesitzung, dass ich relativ verunsichert den Bogen in der Hand drehte, bis ein homerisches Gelächter, begleitet von einem Hieb auf meine rechte (!) Schulter (vermutlich als Klaps gedacht) zwischen den gefliesten Wänden der Badeabteilung hin- und herrollte. "Komme Se mid. Kabine 1." Ich kam. "Füß da drauf, aufn Bauch, mol ned redn." Das waren klare Anweisungen, leicht zu befolgen. In den folgenden 16 Minuten erfuhr ich:&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ol&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;dass er mit Waltraud schon 36 Jahre glücklich zusammenlebe und jetzt, wo sie nicht mehr laufen könne, er sie pflege und dass das hart wäre, aber er liebe sie in guten und in schlechten Zeiten, schließlich hängt jetzt alles von ihm ab. Und gucken dürfe man ja, wenn die jungen Dinger ihre Dinger, ich wüßt schon, die ham aber auch Sachen an.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;dass die Ärztin, ich wisse schon, die Irina K. ständig die Klimaanlagen, die sie im Zimmer hätte, schrotten würde und dass die Patienten sich immer beklagten, dass sie eine Stunde in der Kälte mit nacktem Oberkörper gesessen hätten und deswegen jetzt bei ihm auf der Pritsche wären&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;dass die Schwester, sagen wir, Olga, einen sehr schweren Odeur hätte und dass das damit zusammenhinge, dass sie sich wahrscheinlich nicht waschen täte, jedenfalls sähe er das so. Und dass sie mit einem Gnom verheiratet wäre, so hoch wie breit und wenn die bumsen täten, wie die das machen täten, er könne sich des ned vorstellen. Der rollt doch immer weg und kriegt keinen hoch, weil sie so riecht.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;dass die Physios und die Psychos, ich wär ja ein Studierter, ich tät schon wissen, wen er meint, also dass die gar nichts können täten. Die Physios sagen immer nur den Patienten, wie die sich bewegen sollen, können aber selber nix, ned einmal nicht sich bewegen. Und die Psychos, ach redn mer ned drüber. Wieso, wagte ich durch das Pritschengesichtsloch zu fragen. Ja, ob ich denn keine Psychos in der Bekanntschaft hätt, so eine kennt doch jeder, die ham doch einen, wie sachd ma anschdändich, an der Kladsche?&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;dass der eine Psycholüge so langsam sprichd, dass ihm alle einschlafen und die anderen versuchen ihn zu imitieren. Außerdem hat der doch immer 5-6 Praktikantinnen, da tät er schon wissen, was die bragdiziern, gell, im Entspannungsraum, ob ich Flecken ned gesehn hätt auf den alten Kissn. Unzuchd mit Abhängichen hädd ma früher dazu gesachd, aber die sin ja alle scho 18 un dann wärs woschd.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;dass der Brofessor eingdlich ein guter wär, aber der hätt so Billardtische gekauft, wo Wasser drin wär und des nennt er massiern. Na, ihm wärs egal, er ging sowieso in Rente, in 4 Jahren. Aber jetzt könnt er nix sagen, schließlich wär er abhängig beschäftigt.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ol&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Die Aufzählung ging eigentlich bis etwa x. oder z., aber die hervorragende Massage hat mich wegduseln lassen, sodass mir vermutlich wesentliche Teile der Klinikgeschichten entgangen sind. Der Mann ist eine Wandzeitung…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Danach war Wassertreten, gleiche Abteilung, anderer Raum. Und heute habe ich gelernt, wie das eigentlich geht.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Du da! Auf derr warrmen Seite ist höchstens bis drreivierrtel derr Wade aufzufüllen, auf 39° bis 41°. Für maximal 1 bis 3 min darrfst du darrin verweilen. Auf derr kalten Seite 18° bis 15° fürr 30 Sekunden!" Mit dir werde ich nicht reden, werter Herr Mitpatient, der du schon wieder darauf achtest, dass sich keiner vordrängt und alle zügig nachrücken. Ich würdige ihn keines Blickes und steige aus meiner Trainingshose. Doch so leicht will er sich nicht geschlagen geben. "Du! Ich kenn dich doch von der Schwesternstation!" Seine widerlichen Schweinsaugen sind erwartungsvoll zusammengekniffen. Noch immer sage ich kein Wort, der Beta-Blocker funktioniert. Höhnisch blickt er sich in dem kleinen Baderaum um, um um Zuschauer zu buhlen. Aber es ist keines da, denn die dicken Damen, die hier sonst das Wasser treten und sich quälen, sind schon fertig und gegangen. Der Deutschtümler schleicht sich also unter Murmeln, ich bleibe und trete Wasser, bin aber ehrlich gesagt nicht recht bei der Sache… wie so etwas ausgeht, hängt immer davon ab, wer was wann wie sagt und wer was wann wie tut.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Am Nachmittag gab es noch Spocht, keine Verletzten. No news is good news.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Morgen Mittag ist Ha-ha-halbzeit: 10. Tag vorbei, noch elf.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6050194908807026426-2840710653024647189?l=bigalsdaddysherz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/feeds/2840710653024647189/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/31-reha-10-abhangigkeiten.html#comment-form' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/2840710653024647189'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/2840710653024647189'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/31-reha-10-abhangigkeiten.html' title='31. (Reha 10): Abhängigkeiten'/><author><name>Big Al's Daddy</name><uri>http://www.blogger.com/profile/05681753165724620269</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6050194908807026426.post-410355568654087411</id><published>2009-08-13T14:49:00.000+02:00</published><updated>2009-08-18T14:51:54.463+02:00</updated><title type='text'>30. (Reha 9): Medizin, Mann!</title><content type='html'>&lt;span xmlns=""&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Heute ist einer von diesen lahmen Tagen, an denen fast beinahe gar nix los ist. Also kann ich sicher ein wenig vom Tagesablauf abschweifen… wie war denn der eigentlich? Ach ja, mit Therabändern ging's los.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Also, pass auf Alder, isch sag disch, wofür Bänder, da, sin. Also, stellst du disch vor Wand, machst du 4 Löscher da für Dubel von Fischer. Kein Arschlöscher, kein Feuerlöscher, Depp. Lö-scher! Mit Bohrmaschin. Eins so hoch wo is Kniekehl, dann eins, wo is Arsch, dann da wo is Kopf und eins hoch bissel über wo is kein Kopf mehr. Dann kaufst du professionell Kinderschaukel und schmeißt alles weg bis auf schneckverdrehte Bolzen wo hängt eigentlisch Kinderschaukelseilringe drin. Die schraubst da in Dubel in Löscher von vorhin. Fertig. Dann gehst du Opa, klaust ihm Hosenträger, Onkel auch, Vater auch. Ein Hosenträger 400 g, 2 Hösenträger 500g, die wo von Opa 800 g, sind gut aus Schafwollgummi von Taurus-Gebirge. Fast fertig, gehst du Aische, klaust Hocker aus von ihre Küsche, setz du disch vor Wand mit Hösenträgers in Schneckverdrehung da und ziehst dran, bis Mucki schmerzt. Krass gut, Alder."&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Nach dieser Erbaulichkeit, deren therapeutische Wirksamkeit sich mir zwar weitgehend erschließt, die ich aber nicht besonders mag, kam das nächste Highlight. Psychopiepse und ihre Entspannungsarrhythmie gemäß dem Jacob sein Sohn. Ich denke, wer seinen Namen tanzen kann, ist in solchen Veranstaltungen gut aufgehoben. Ich hatte jedoch Mühe, mitzukommen. Die Übungen sind aber auch einfach zu schwer… "Heute…" Stöhn. 3 Oktaven über Normalnull, wer die mal heiratet… "heute lernen wir einen sehr komplizierten Teil der Übungen. Zunächst aber die Frage, wer hat Schwierigkeiten, wenn er alleine übt?" Pause. Stille. Was für Schwierigkeiten? Wieso alleine? Ach ja, wir sollten ja so für uns entspannen. "Neee, kein Prob, alles bingo, voll gut." "Also heute lernen wir, die Füße (= Beine, wir sind in Franken) zu entspannen. Wir stemmen die Fußspitzen in den Boden, dann schmerzt es irgendwo. Wir halten die Spannung…" Dideldumpfeifpfeif, dideldumklingklang, dideldumklavierklavier… "Jetzt heben wir die Füße (= Füße, sie macht es vor), bis sie so hoch sind wie die Knie, Fußspitzen zeigen nach oben, dann schmerzt es woanders. Wir halten die Spannung…" Also. Zusammengefasst sind das alles Übungen, in denen man etwas anspannt, dann wieder locker lässt und sich daran ergötzt. Am besten mit Dideldummusik.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Danach Trampelergomat, kennt ihr schon, kenn ich schon. Und Wassertreten, kennen wir auch alle. Das war mein Tag.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Das Handbuch des fortgeschrittenen Rehabilitanden spricht zu Medikamenten wie folgt: "Bringen Sie alle Ihre Medikamente mit, die Ihnen der Hausarzt oder die behandelnde Klinik verschrieben hat und nehmen sie sie gemäß Anweisung." Na schön, dafür hätten wir das Handbuch jetzt mal nicht gebraucht. Und welche sind dies in meinem Fall? Nachdem ich keinerlei Werbung für die Pharmaindustrie machen will, beschreibe ich sie ohne Produktnamen. Insider kennen die üblichen Verdächtigen sowieso – nahezu alle herzinsuffizienten, koronarerkrankten, verstenteten oder bygepassten Patienten, Rekonvaleszenten oder Kombattanten (übrigens, Nicht-Kurgäste heißen hier Passanten, es gibt also Kurhäuser, die auch Passanten-Zimmer haben) nehmen das gleiche , für etwa 500 €/Quartal, wobei die Apothekerin stöhnte, dass sie an sowas ja kaum noch verdiene, seit der Ulla Schmidt ihre Reform…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Ja, also, da wären morgens:&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;1 dicke Tablette mit 300 mg "Magengeschwür-Verhinderer" (wegen der vielen Medikamente), also praktisch des Teufels Beelzebub&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;1 nicht so dicke aber rosafarbene Tablette mit 75 mg "RegdichnetaufHerz" (Beta-Blocker), der Grund für ziemliche Ausgeglichenheit&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;1 halbes winziges Tablettchen mit 2,5 mg "Druckminderer" (Blutdrucksenker), eigentlich eine Schlaftablette von der Wirkung her, 3 Stunden schwerste Müdigkeit jeden Tag nach der Einnahme, inzwischen abgesetzt. Heureka!&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;1 ganz normale Tablette mit 50 mg "Fettweg" (Cholesterinsenker), macht hat auch müde, aber nicht sehr und sperrt die bösen LDL aus&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;mittags:&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;1 kleine 100 mg "Kopfschmerz"-Tablette (Blutverdünner), ist ASS, ganz simpel.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;und abends:&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;1 halbe Tablette "Fettweg" (Cholesterinsenker) für die Nacht und&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;1 Tablette "Blauer Fleck" (Gerinnungshemmer), ich habe davon jetzt Hämatome wie viele Frauen, wenn ich mich irgendwo stoße&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Jep, das war's, für ein Jahr muss ich das jetzt nehmen. Wenn's schee macht!&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Nachdenk, nachzähl, 9. Tag vorbei, noch 12.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6050194908807026426-410355568654087411?l=bigalsdaddysherz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/feeds/410355568654087411/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/30-reha-9-medizin-mann.html#comment-form' title='5 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/410355568654087411'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/410355568654087411'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/30-reha-9-medizin-mann.html' title='30. (Reha 9): Medizin, Mann!'/><author><name>Big Al's Daddy</name><uri>http://www.blogger.com/profile/05681753165724620269</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>5</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6050194908807026426.post-219590535010698549</id><published>2009-08-12T10:15:00.000+02:00</published><updated>2009-08-17T10:18:10.285+02:00</updated><title type='text'>29. (Reha 8): Stress</title><content type='html'>&lt;span xmlns=""&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;&lt;em&gt;Vorbemerkung: ich konnte mich am Wochenende nicht ins WLAN einbuchen also auch nix hochladen. Ich hatte mir am Freitag extra noch WLAN-Zeit gekauft, damit ich am Sonntag (am Samstag war ja meine geliebte Glucke-san da) surfen und bloggen kann. Und was responsiert mein Feuerfuchs, wie ich den Code in die Anmeldeseite hacke? "Ihre WLAN-Zeit ist abgelaufen. Sie können sich aber…" Nee, DIE können mich aber. Das ist eh so teuer hier, wieso geht es dann nicht wenigstens? Ich habe also kurz meinen Betablocker überritten, mich auf ca. 98 Touren gebracht (gem. Puls-Uhr) und bin zur Rezeption gestiefelt, mein Netbook wie ein Schwert an der Seite.&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;&lt;em&gt;"Ich habe da ein Problem… erklär… vorwerf… entschieden guck… bitte sofort!"&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;&lt;em&gt;"I-i-i-ch w-w-weiß ned-ned-ned w-w-wie i-i-i-ch h-h-h-helfen k-k-kann. I-i-ich m-m-m m-m-mach doch bl-bl-bloß S-s-sonntagsvertretung." Jetzt bitte nicht alle mitlesenden Stotterer gleich beleidigt sein, aber es gibt, glaube ich keine bessere Methode, einen Wütenden zu besänftigen, als ihn anzustottern. Entweder muss er lachen (so wie ich beinahe) oder er hat Mitleid (so wie ich auch).&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;&lt;em&gt;So kläre ich das am Montag und deswegen könnt ihr das hier auch erst dann (also vermutlich heute) lesen.&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt; &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Federballschläger raus, Federbälle raus, mit dem Schläger senkrecht hoch spielen, mit rechts, dann eine Runde mit links, dann abwechselnd, uuund dabei rennen, nicht gehen. Wer nicht mehr kann, bleibt stehen oder geht langsam weiter…" Irgendwie kennt ihr den Text, ja? Ich auch. Es ist 8 Uhr, meine Tabletten (ja, ich muss einen Haufen Tabletten schlucken, schreibe ich ein andermal was drüber) habe ich gerade erst genommen, das Frühstück ist auch gerade erst drunten und fast wieder heroben und nach 15 Run… schnauf… den dachte ich… schnauf… "Wann hört… schnauf… sie denn heute auf… schnauf?"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Nach weiteren sieben Minu…schnaufschnauf… ten…, nach noch mal sieben Minuten… rööööchel… dachte… röööchel… ich, ob… röööchel… ich das jemals ohne… röööchel… hinkriege? Da fehlt noch eine Menge. Aber gut, ich fange ja gerade erst an.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Nach einer Stunde grinst sie mich wie gestern an und fragt: "Na? Immer noch gut?" Ich nicke, und kann sogar etwas wie "Ja, gut." stammeln. "Kommen Sie morgen wieder!" Das war gar keine Frage, das war eine therapeutische Anordnung. Ich nicke heftig. Ja, ich komme wieder, ich will auf die andere Seite, ihr wisst schon.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Öhm, ist das eigentlich gut, frage ich mich ein paar Sekunden später, jetzt stresse ich mich da so rein und Stress ist doch schlecht fürs Herz? Oder doch nicht? Was ist Stress eigentlich? Jeder redet drüber, aber keiner weiß es so recht. Oh, da trifft es sich ja blendend, dass heute Mittag ein Seminar bei dem Chefpsycholügen stattfindet, im Salon. Gut, dann verschiebe ich meine Entscheidung, ob ich auf die andere Seite will, auf nach dem Seminar. Jetzt habe ich sowieso gleich wieder Stress mit der Entspannung, mit dem Jacobson. Da lernen wir sicher wieder was ganz schwieriges Neues, ob ich DAS behalten kann?&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Auf die Bude, umziehen, Duschen. Wie auf dem Catwalk, ganz schön stressig, diese Kleiderwechselei. Aber ich will eben nicht verstunken und verschwasselt in den Sportklamotten aus der Sporthalle in die Entspannung latschen und am besten noch meine Schwaden um einen Kippe mit Nikotin aufstocken, wie es etwa die Hälfte der hier Anwesenden tut. Wenn mir etwas in Erinnerung bleiben wird, dann sicher wie schlecht Menschen riechen. Nicht alle, natürlich nicht, aber viele. Und wenn einer stinkt, dann sind die vielen Geduschten olfaktorisch in der Minderheit. Frisch hansgrohet riecht eben nicht – wie willst du da einen Geruch übertönen, bei dem sogar Kimchi schnell altert?&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Der Sohn vom Jacob, der die Entspannung erfunden hat, sah uns heute in Form der jungen Frau, die regelmäßig drei Oktaven über der Hörgrenze parliert&lt;sup&gt;. "So!"&lt;/sup&gt; sagte sie. &lt;sup&gt;"So, heute lernen wir mal was Schwieriges. Wie ist es Ihnen denn ergangen, wenn Sie die Übungen alleine machen?"&lt;/sup&gt; Nee, so hoch, wie die spricht, kann ich nicht schreiben, dann könnt ihr es nicht lesen. Pause. Stille. "Ja, wer von Ihnen macht denn die Übungen alleine?" Pause. Stille. Was hat die denn gedacht? Was für Übungen? Wieso alleine? Ach so, wir sollen so für uns entspannen? Das muss einem doch gesagt werden… "Also heute lernen wir, den Nacken zu entspannen. Wir neigen den Kopf nach rechts, dann spannt es hinten links. Wir halten die Spannung…" Dideldumpfeiftralala, diedldumklingklang, dideldumpfeiftralala… dann nach links, dann nach vorne. Von hinten machen wir nicht, das ist für Fortgeschrittene, viele unserer Patienten können das nicht, also NICHT den Kopf nach hinten werfen, damit es vorne spannt!" Solche Texte kann ich mir gar nicht ausdenken. Dialoge, wie sie eben nur das Leben schreiben kann.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Danach ging's zum Trampelergomaten, darüber ist nicht mehr viel zu berichten. Die Werte werden halt immer besser, das muss ich unbedingt zuhause weitermachen. So ein Ergometer haben wir ja seit Jahren, wie fast alle und seit Jahren benutzen wir es nicht, wie fast alle. Hier nehme ich immer das 2. Ergometer hinten rechts, da halten die Saugnippelelektroden am besten und der Sattel ist am wenigsten durch, die Gelpolsterung noch gut. Weil nämlich, wie Richie sagen würde: "Do dud dir ja der Aaaasch weh…!" Außerdem kann ich von dort in den Garten schauen und sowohl vorbeihetzende Kranke wie auch ahnungsloses Getier entbehren nicht eines gewissen Unterhaltungswertes. Das Trampeln selbst ist nämlich ganz arch langweilich, weil man, haha, nicht von der Stelle kommt, egal wie heftig man in die Pedale tritt.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Ich habe Ihnen," sprach die Psychopiepse "einen Powerpoint-Vortrag mitgebracht…" Moment, der Dr. Psycho Lüge, also der Chef der Abteilung sollte doch… ach, der hat keine Zeit… deswegen machen Sie… oh, je. Die letzten 2 Worte habe ich nicht mehr gesagt. "Aber weil wir hier keinen Pjorektor, Prorektor, Beamer haben, und weil ich meinen Notebook nicht dabei habe, kann ich Ihnen den Vortrag nicht zeigen. Ich habe extra auch keine Ausdrucke dabei, damit sie nicht vorauslesen." Aha. "Aber ich kann Ihnen den vorlesen. Hätten Sie etwas da dagegen?"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Neeeiiiiiin, wie sollten wir etwas dagegen haben, eine didaktisch hundsmiserabel vorbereitete Lesung über ein Thema zu hören, das mich z. Bsp. sehr interessiert hätte, wenn es denn von einem Fachmann vernünftig vorgetragen und mit Skripten belegt gewesen, anstatt von einer suboptimal mit Stimmbändern ausgestatteten Hilfspsycho an der falschen Stelle betont und stockend vorgelesen worden wäre. Gott, war das schlecht! Haken wir es ab, so erfahre ich nichts über Stress, seine Ursachen und seine Bewältigung, das muss ich mir wohl mal von meinem Freund, dem Tom erklären lassen. Der ist immerhin Psych, entweder -iater, oder auch -ologe, ich weiß nie den Unterschied, Doktor und Dozent und was weiß ich noch alles, der wird das wohl erklären können. Und wenn doch nicht, Sandra ist eine ganz Große auf dem Gebiet, die frage ich mal!&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Bevor ich dann in das unverdiente Nichtstun ab 15.00 Uhr abgleite, gehe ich noch mal Wassertreten. Was ist daran so schön, dass ich es dauernd zu tun scheine? Nix. Es ist nix. Es bringt nix. Aber ich komme aus der Bude und muss nur in den Keller latschen, das Wassertretbecken ist nämlich hier in demselben. "Dennas nochäbissele Kalds dezu, chab aus Väsähn zvill Warms nei!" Jetzt stellt euch nur einmal vor, ihr seid nicht von hier. Was fängt man dann mit so einer Bemerkung an? "Äh, ja, mache ich." Er nickt, verschwindet, nicht ohne professionelles Schmunzeln aufgesetzt und Bemerkung Nr. 16a für anscheinend mobile Patienten ohne Wassertret-Begleitungsbedürftigkeit hinzugefügt zu haben: "Dennas ned äsaufn, gell?"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Ja, hier sind viele sehr original. Oder sollte ich sagen, originell?&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Grübel, ah ja, 8. Tag vorbei, noch 13.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6050194908807026426-219590535010698549?l=bigalsdaddysherz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/feeds/219590535010698549/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/29-reha-8-stress.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/219590535010698549'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/219590535010698549'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/29-reha-8-stress.html' title='29. (Reha 8): Stress'/><author><name>Big Al's Daddy</name><uri>http://www.blogger.com/profile/05681753165724620269</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6050194908807026426.post-329042940394073775</id><published>2009-08-11T14:46:00.000+02:00</published><updated>2009-08-14T14:56:00.639+02:00</updated><title type='text'>28. (Reha 7): Vom Saulus zum Paulus</title><content type='html'>&lt;span xmlns=""&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Heute Morgen bin ich aus der Sporthalle raus, völlig verschwitzt, platt wie eine dieser Pfannkuchennachahmungen, die hier statt aus Mehl aus Dinkel gemacht werden. Patschnass bis in den Intimbekleidungsbereich (Na? Ist das eine Wortschöpfung? In-tim-be-klei-dungs-be-reich. 7 Silben statt der Unterhose. Ich muss das mal an so einen Marketingdickstrahlpisser verticken, der für Jockey oder Schiesser dummschwätzt) und denke beim Zurückstiefeln auf die Bude so für mich hin: "Jetzt gehörst du bald zur anderen Seite!" Dieses kryptische Selbstgespräch sollte ich vielleicht ein wenig erklärifizieren. ‚Die andere Seite' ist nicht die dunkle Seite der Macht wie in Star Wars und auch nicht die Ecke des Kontinuums, auf der ich vor 4 Wochen beinahe gelandet wäre. Es ist die Seite der Paulusse, der Guten, versteht ihr? Aus völlig irrationalen und bei Licht betrachtet unhaltbaren Gründen fühle ich mich jetzt schon so gut und sehe mich, wie ich zu den Bekloppten gehöre, die morgens um 7 um den Block rennen, dabei wie bekifft grinsen und überheblich auf die Speckrollen der Nichtrenner herab gucken. Oh mei, Pit, äh Big Al's Daddy, hat's das wirklich gebraucht, dass dir einer so zwischen die Lichter haut, bis du das begreifst? Scheint's scho.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Jetzt war ja der Paulus so ein Jünger, vom lieben Jesulein, soweit ich weiß. Der war wohl erst eine rechte Schweinebacke, also der Saul, und dann später, als Paul ein glühender Verfechter von Jay Cee's Thesen. Also praktisch ein militanter Ex-Raucher, halt nur auf Glaubensbasis. So wollte ich des heutigen Tages Überschrift aber nicht verstanden wissen. "Jeder Jäck ist anders!" und "Et hätt noch immä jutjejange!" gilt nicht nur in Kölle. Doch hin und wieder kommt mir beim Vorbeischlendern an der Holzbankallee vor dem Hauptgebäude des Klinikums so eine missionarische Anmutung. Bitte ankreuzen:&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Woran erkennt man eine Kurklinik?&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ol&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;an den vielen Rolatoren&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;am Pfefferminztee zum Abendbrot&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;am Nikotingestank samt Rauchern vor dem Eingangsbereich&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ol&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Ich habe selbst ein Vierteljahrhundert lang geraucht, was wohl insgesamt nicht unwesentlich zu meinem worst case scenario beigetragen hat, um es einmal vorsichtig zu formulieren. Ich müsste also gegen jede Form von Zigarettengestank, Kippenmulz und Aschenbecher (vulgo: "Stinkkübel") gefeit sein. Ich habe hier festgestellt, nein, bin ich nicht. Ich habe für tausende Mark und Euro meine Lunge geteert und mein Herz geschwächt, aber was die hier fertigbekommen…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Da sitzen Diabetes-Beinstümpfe neben Arthrosen und verödete Krampfhennen, sorry, Krampfadern neben nekrotischen Raucherbeinen und quarzen einen Glimmstängel nach dem anderen. Da hat der Rollstuhl ein selbstgemachtes Einhänge-Aschenbecherlein, allerliebst zusammengezimmert vom daheimgebliebenen Enkel. ‚Für dem Opa sein Rollstuhl', ist eingraviert, letzteres ein Wort übrigens, das den Franken zum zweifach ausgerollten prälabialen Waffel-L verführt, wobei das Dehnungs-H der Zweifachrollung fast stets unterliegt, damit den Schdull so kurz wie das Roll macht. Und alle paffen, als gäbe es kein Morgen. Gibt es wahrscheinlich auch für ein paar nicht…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Also, warum war ich so unangemessen gut drauf? Weil ich diese Endorphine freigesetzt habe. Also eigentlich funktioniert das ja wie Rauchen, nur mit Sport, man ersetzt eine Droge durch eine andere und definiert die eine als gut und die andere als schlecht, abgeleitet aus der Anzahl der Todesfälle pro untersuchte Gruppe. Jetzt sterben zurzeit mehr am Rauchen als am Sport, also ist Nikotin schlecht. So einfach ist Wissenschaft, man muss es halt nur richtig erklärt bekommen.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Die Trainerin frug mich, was mich denn bewöge, von koronarer Übungs- zu koronarer Trainingsgruppe zu wechseln, was ich wahrheitsgemäß mit einer Handbewegung, so als ob ich einen Schlüsselbund hochwürfe und wieder finge und den Worten: "Die schmeißen da so Säckchen…" beantwortete. "Das tun wir auch," sie grinste mich an, "nur länger…" Irgendwie ahnte ich, dass die Dame schwindelt, ich wusste nur nicht, wie sehr.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Plastiktennisschläger raus, Tennisball raus, den Ball mit dem Schläger prellen, rechts, dann eine Runde links, dann abwechselnd, uuund dabei rennen, nicht gehen. Wer nicht mehr kann, bleibt stehen oder geht langsam weiter, so dass ich es sehe…"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Nach 15 Run… schnauf… den dachte ich… schnauf… wann hört… schnauf… die denn auf… schnauf…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Uuund einen Partner suchen mit dem Softball, die Tennisbälle zurück und zuspielen, erst mit rechts, dann mit links, dann abwechselnd uuund dabei auf der Stelle rennen, nicht gehen. Wer nicht mehr kann, bleibt stehen oder geht langsam weiter, so dass ich es sehe…"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Nach 7 Minu…schnaufschnauf… ten… dachte ich… schnaufschnauf… so, das ist… schnaufschnauf… also Sport… Ich… weiß… schnaufschnauf… nicht, ob ich das… schnaufschnauf… mag…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Jetzt holen wir die Plastikstufen, stellen sie auf hohe Stufe, verteilen sie in der Halle, 4 Schritt Abstand. Aaaalso, drüber laufen, 1 Schritt hoch, rechts, links, runter, wieder rauf, rechts, links, runter, drüber, nächste Stufe das gleiche. Uuund los, 7 Minuten…"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Jetzt rückwärts. Jetzt durcheinander. Jetzt schneller. Uuund stop. Puls messen uuund weiteratmen." Danach… rööööchel… dachte… röööchel… ich, ob… röööchel… das eine gute… röööchel… Idee war… würg…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Nach 55 Minuten grinst sie mich an und fragt:"Na? Gut?" Ich nicke, sage aber nix. Erstens wirkt das überlegter und zweitens konnte ich grad nix sagen. "Kommen Sie morgen wieder?" Ich nicke heftig. Ja, das war gut, ja, es ist mir saumäßig schwer gefallen und ja, es hat Spaß gemacht. Jetzt könnt ihr den ersten Passus des heutigen Beitrages nochmal lesen, jetzt passt er und macht auch Sinn.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Den Rest des Tages fiel nichts Berichtenswertes vor, es scheint, als ob die Figuren hier, bei deren Beobachtung es mir in den Fingern juckt, eine Tastatur zu quälen, weniger werden.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Ach doch, wie konnte ich es vergessen, mein Weibi, Glucke-san, hatte mir einen Brief avisiert, den ich euch nicht vorenthalten möchte. Wie habe ich mich darüber gefreut! Weil ich mich doch bei einem Telefongespräch zwischendrin mit ihr nicht von meiner besten Seite, ungeduldig und nörglerisch gezeigt habe. Das reinste Ekelpaket, als ob ich von den mafiösen Strukturen der Nürnberger Ärzteschaft per Komplott in den mainfränkischen Wald gezwungen und dort verbuddelt worden wäre und meine geliebte Frau daran schuld sei. Schande über mein Haupt und Vergebung erbeten, Weibi.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;&lt;em&gt;"Hallo, du ‚schwieriger' Patient!&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;&lt;em&gt;Zu meinem Glück warst du bisher noch nie ernsthaft krank. Und damit du kommende Woche die Zeit etwas besser totschlagen kannst als bisher, habe ich mich gleich heute morgen gesputet und diesen Großbrief eingeworfen. Um 9.00 wird nämlich am Samstag geleert, die nächste Leerung ist erst wieder am Montag um 17.00 Uhr. So kannst du hoffentlich bereits am Montagnachmittag diese Post in deinem persönlichen Schließfach finden. Ich habe zu deiner Freude auch gleich eine Kopie von dem Finanzamt-Schreiben beigelegt, damit du der Dame passend antworten kannst. Da kannst du dich ja richtig austoben, bevor du es noch in der Kurklinik tust und deswegen am Bett festgezurrt werden musst.&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;&lt;em&gt;Das Gewicht von 500 g ist leider mit den Illustrierten erreicht, daher konnte ich dir kein Leckerli dazu packen (bedauernd guck). Ich habe eh schon ein paar Seiten aus den Zeitungen rausschneiden müssen, damit's passt. Etwas Proviant für die schlampigen Zwischenzeiten, Obst und eine Schoggi fürs Betthupferl bringe ich deshalb erst kommenden Samstag mit. Ich treffe, wie schon gesagt, um 9.30 in Frauen-brauchen-darin-länger-als-Männer-Leerzeichen-US-Exaußenministen ein, wenn die Bahn die Zeiten einhält. Ich kann ja auch mit dem Bus hochfahren, dann brauchst du mich nicht am Bahnhof abholen und kannst ganz gemütlich frühstücken und hast keinen Stress. Zum Mittagessen meldest du dich für Samstag ab und zum Abendessen bin ich ja schon wieder weg. That's the plan. Oder weißt du was Besseres?&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;&lt;em&gt;Du hast halt irgendwie nie beigebracht bekommen, Löcher in die Luft zu gucken. Viele Leute tun das, bereits ihre Kinder im Kinderwagen haben dieses Gen.&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;&lt;em&gt;Bis die Tage, mach's gut mein alter (jetzt kommt ein Kosewort, das euch nichts angeht),&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;&lt;em&gt;Bussi, bussi, Glucke-san&lt;/em&gt;"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Natürlich hole ich sie vom Bahnhof ab! Und die Abmeldung beim Essen dient der Vitalitätsprüfung. Wie beim Zahnarzt. Wenn der dir Vereisungsspray auf den Zahn tut und du jaulst, dann lebt der Zahn noch. Wenn du hier beim Mittagessen den Nachtisch auf deinen Zahn tust, dann lebst DU noch. Im Umkehrschluss kommt ein Rettungstrupp, wenn du nichts isst, ohne dich abzumelden. Compri?&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Für Statistiker: der 7. Tag ist rum, noch 14.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt; &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;&lt;br /&gt;    &lt;/span&gt; &lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6050194908807026426-329042940394073775?l=bigalsdaddysherz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/feeds/329042940394073775/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/28-tag-7-tag-reha-vom-saulus-zum-paulus.html#comment-form' title='3 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/329042940394073775'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/329042940394073775'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/28-tag-7-tag-reha-vom-saulus-zum-paulus.html' title='28. (Reha 7): Vom Saulus zum Paulus'/><author><name>Big Al's Daddy</name><uri>http://www.blogger.com/profile/05681753165724620269</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>3</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6050194908807026426.post-6411018224212971800</id><published>2009-08-10T16:55:00.005+02:00</published><updated>2009-08-17T16:14:26.841+02:00</updated><title type='text'>27. (Reha 6): Würfel nach links, Ball nach rechts</title><content type='html'>&lt;div style="TEXT-ALIGN: justify"&gt;&lt;span   xmlns="" style="font-family:arial;font-size:100%;"&gt;&lt;p&gt;Wie hoch ist eine Kloschüssel? Naja, es sind Fragen wie diese, die unbeantwortet zu Nasenwurzelverdickungen führen können. Wenn man sich zu Entsorgungszwecken aufs Porzellan klemmt, aber mit den Füßen nicht auf den Boden kommt, dann ist man entweder über Nacht in der Beinlänge geschrumpft oder hat vorher schlicht nicht gemerkt, dass diese Toilette deutlich höher ist als die, auf denen man die letzten 50 Jahre gesessen hat. Ein Beinlängenvergleich mit den in meinem Schrank hängenden Hosen ergab: alles in Ordnung, alles prima. Tja, dann bedeutet der Herstelleraufdruck "Ideal Standard" weder ideal noch Standard, denn mir isse zu hoch.&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;p&gt;Ja, ist ja gut, ich berichte ja gleich weiter über andere Dinge, aber diese blöde Schüssel…&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;p&gt;Der Montag begann mit… womit? Na? Richtig! Wiegen. Frisch geduscht, ein Liedlein pfiffelnd auf den Lippen, bin ich auf dem Weg zum… Wie, kennt ihr schon? Naja, alles was ich hier beschreibe, wiederholt sich irgendwann. Also kann ich letztendlich doch nur Nuancen literarisch aromatisieren. Gebt einer hinreichend großen Anzahl Schimpansen eine Schreibmaschine und hinreichend genügend Zeit und einer wird Hamlet schreiben. Insofern ist alles ebenso schon mal gesagt oder geschrieben worden, wie in jedem lumpigen Granitblock der "Denker" von Auguste Rodin enthalten ist – ihr müsst nur das Überflüssige wegschlagen.&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;p&gt;Und heute war es eben ein bisschen anders als am Freitag. Erstens war ich schlauer, was die Wahl meines Wartestuhles anging, frei nach dem Motto "Lieber eine Lücke lassen, als an deren Wampe fassen!" und zweitens roch, sagen wir, Olga, heute nicht so streng wie sonst. Vielleicht hat sie einen neuen Kittel angezogen, dann müffelt der erst in ein paar Tagen. Und ha! Ich wog weniger. Wie viel weniger sag ich nicht, oder doch, ich sag's, aber ich sag nicht, wie viel ich insgesamt wiege. Also: 700 g! Sogar "niecht mit Schuche!" Wie, buuuh? Was seid denn ihr für ein Publikum? Mit nix zufrieden! 700 g in 5 Tagen, das macht 5 Pfund in den 3 Wochen, in denen ich hier bin. Wenn das dauerhaft wegbleibt, bin ich sehr zufrieden.&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;p&gt;Danach Frühstück. Eigenartig ist das schon, wie man seinen Tagesablauf am Spalier der Essensfolge festmacht, wenn sonstige Orientierungspunkte wegfallen. Aber egal, was mir seit Samstag besondere Freude beim Betreten des Speisaales macht, ist das herzliche alte Lächeln einer 91jähren Hüftgelenkspatientin, die ich beim "Jacobson" (zu dem komme ich noch) ernsthaft interessiert gefragt habe, wie es ihr geht, weil sie so schwer mit den Krücken läuft. Da hat sie mir mit vor nacherlebten Schmerzen atemlosen Worten und mit spröder alter Stimme ihren jahrelangen dornen- und schmerzensreichen Kreuzweg erzählt, der jetzt in Edelstahl sein vorläufiges Ende fand. Seitdem lächelt sie, wenn sie mich sieht. Ich lächle zurück und dann ist ihr wie mein Tag ein klitzekleines bisschen besser.&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;p&gt;Was für mich an diesem schönen Montagmorgen nur so lange galt, bis ich den Therapieplan entziffert hatte. "Therafitness" stand da. Aha. Theramed kenne ich, ist 'ne Zahnpasta. Fitness kenne ich auch, das ist das, was ich aktuell gerade nicht habe, aber dringend bräuchte, deswegen, unter anderem, bin ich ja hier. Also therapeutische Fitness? Also Sportzeug? Mhm, ich probiers, zumal der Raum, in den ich da sollte, in der Sporthalle ist. "Guten Morgen!" werfe ich zaghaft in das geriatrische Grüppchen, das auf den Bänken sich ächzend müht, mit gichtigen Fingern vom Straßenschuh zum Sportschuh, helle Sohle, zu kommen, ohne vornüber zu kippen. Wenn ich diesem letzten Satz noch mal nachschmecke, dann klingt er arrogant. So, als wäre ich etwas besseres, nur weil ich den Schuhwechsel leichter hinbekomme. Schlecht geschrieben, Pit, äh, Big Al's Daddy, nochmal!&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;p&gt;"Guten Morgen!" werfe ich zaghaft in die Gruppe älterer Männer, die sich auf den viel zu niedrigen Holzbänkchen bemühen, die Sportschuhe anzuziehen, die hier der hellen Sohlen wegen Pflicht sind. Manche haben verkrümmte Finger, die tun sich besonders schwer. Ja, so geht's auch, beschreibt die Situation viel sachlicher, aber eben auch ohne Schmunzler. Sucht euch die Version aus, die euch besser gefällt, jedenfalls sind wir alle 5 dann in den Gruppenraum geschlurft, um… an Gummibändern zu ziehen, die an der Wand festgemacht waren. Ja, ährlisch.&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;p&gt;Wie war die Replik des optisch Ältesten vorhin auf mein Befragen? "Wenn de Glück hass, dann schnallen se disch en paa Jewischte anne Füß…" "Und dann? Ab in den See, ab in den See?" Für die nicht so uderzo- und goscinnybewanderten, im Heft ‚Asterix und die Schweizer' gibt es eine Szene, in der sie Käsefondue essen. Nach einer alten Sitte werden diejenigen, die das Brot zum dritten Mal im Fondue verlieren, in einen Sack mit Steinen gepackt und im Lac Leman versenkt. Die Schweiz regelt auf diese Weise seit Jahrtausenden das Problem der Überbevölkerung im Alpenstaat. Daran musste ich denken, als ich hörte "…Jewischte anne Füß…"&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;p&gt;Ich hatte Glück. Die Sportlehrerin, etwa 30, schlank wie eine Weidengerte, zeigte mir zwei Wadenwickel aus Plastik, in denen sich etwa 1 oder 2 kg Sand befanden, die ich mir um – eben – die Waden wickeln und mit den Klettbändern festmachen sollte. Und dann? "Heben Sie die Füße." Och nee, Leutz, was soll das denn? Ich will Sport machen, rennen, schwitzen und nicht so ein Pimperleskram. "Ja, das hätten Sie mal vorher machen sollen, dann hätte es das Blaulicht nicht gebraucht." Paff, das hat gesessen. "Und jetzt heben Sie Ihre Füße, wenn Sie das können. Je nachdem, was dabei rauskommt, können wir immer noch über ‚Sport' reden."&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;p&gt;OK, was mache ich jetzt? Mich einfach dieser kleinen Sportzicke geschlagen geben, selbst wenn sie noch so recht hat? Ja. Ich habe einfach mal meine große Klappe gehalten, habe brav meine Füße gehoben, 15x rechts, 15x links, mal vorne mal hinten. Dann hat sie Puls gemessen, war fast nix, dann hat sie geguckt, ob ich schwitze. Nö. "Gut," sagt sie, "dann mal an die Bänder. Welche wollen Sie, 400 Gramm oder 500 Gramm?" "Och nee, Leutz, was…" Beinahe. Ich kann einfach die Waffel nicht halten. Hinhocken, Gummibänder anfassen, ziehen, Puls messen, schnaufen gucken. Schnauft's? Nein. "Verstehe ich nicht", sagt sie "Sie wurden mir als Frischoperierter avisiert, zeigen Sie mir doch mal Ihre Wunde." Ich habe keine, wenn wir von der seelischen mal absehen, der kleine Einschnitt in der Leiste ist längst verheilt, das Hämatom verschwunden. "Sind Sie nicht Herr Pit Müller-Meerkatz (Name von der Redaktion teilweise geändert)?" "Bis kurz vor ‚Müller-Meerkatz' stimmt's."&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;p&gt;Prüf, raschel, anguck, kopfschüttel, nochmal prüf. "Öhm, also äh, Sie sind nicht…?" "Nein." "OK, was tun Sie dann hier?" "Es steht auf meinem Therapieplan. Genauso wie das Atmenüben." Lange Rede, kurzer Sinn, ich bin da raus, ab morgen früh gibt's richtig Sport! Danke und Tschüs!&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;p&gt;"Herr Jacobson," so sprach die ältere Ärztin beim ‚Grundgedanken-Seminar', "hat eine Entspannungstechnik erfunden für diejenigen, deren Arme nicht schwer oder warm werden" – und bezog sich damit auf ‚Autogenes Training'. "Wir bringen Ihnen das bei." Da hatte sie recht, denn jetzt sitze ich im Kreis um eine Stimme herum und lerne Jacobson. Wie beschreibe ich euch das denn, damit ihr praktisch neben mir sitzt? Ah, ja, also, erinnert ihr euch, wie die Umkleideräume im Schulsport immer gerochen haben? So eine Mischung aus Magnesia, Schweiß, stinkigen Turnschuhen und Linoleumboden? Gut, in einem Raum mit so einem Geruch sitzen wir. Auf Stühlen, die 3 verschiedene Designs und drei verschiedene Höhen haben, mit großen Sitzbällen mit Anfassnippeln, mit Bodenmatten, deren Eingeweide aus der Seitennaht quellen, klassischer Aufprallunfall, mit einem alten Schrank und mit uns. Uns, das sind 25 Leute von 30-200 (Alter und Gewicht), die wir Grundtechniken im Entspannen üben sollen, in einer konzentrierten, leisen Umgebung. Die erste Forderung der Psychopiepse war "Füße auf den Boden". Tilt. Etwa zehn hatten zu kurze Beine oder zu hohe Stühle, whatever comes first. "Ja, dann legen wir Kissen unter die Füße." Ok, wo sind Kissen? "In dem Schrank." Da waren keine. "Da sind immer welche." Da sind keine. "Lassen Sie mich mal… da sind ja gar keine Kissen, da sind doch sonst immer welche. Warten Sie, ich hole welche." Sie kam zurück mit…&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;ul&gt;&lt;li&gt;einem Sitzkeil, grün, etwa 20 Jahre alt, fleckig&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;ul&gt;&lt;li&gt;einem Sofarücken ohne Sofa, etwa 19. Jahrhundert&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;ul&gt;&lt;li&gt;einem Schaumgummiblock ohne Bezug, braun, sah aus wie der Inhalt einer Babywickel-auflagepolsterung&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;ul&gt;&lt;li&gt;zwei Kissen mit Mittelknick, deutsch mit Troddeln&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;p&gt;"Die anderen", so sprach sie," müssen hängen lassen." Wer lang hat, lässt halt lang hängen. "Wir konzentrieren uns jetzt und entspannen. Wir schließen die Augen und spüren, wie die Ruhe uns erfasst."&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;p&gt;Ach du Scheiße, so ein Esoterik-Kokolores, jetzt macht sie sicher gleich Entspannungs-kaufhausmusik an. Ich hatte noch nicht zu Ende gedacht, als schon eine CD durch den Raum wehte, mit der du mich aus demselben jagen kannst. Jauldüdeldüüüü. Pfeifdüdeldüüüü. Streichdüdeldüüü und dann wieder Jauldüdeldüüüü. Seufz.&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;p&gt;"Moment, Moment, Moment," sagt sie (woher kenne ich das bloß?) "ich habe das Schild vergessen." Sprach's, nimmt das Schild ‚Bitte Ruhe, Therapie!' und stellt es vor die Tür. Jauldüdeldüüüü. Pfeifdüdeldüüüü. Streichdüdeldüüü und dann wieder Jauldüdeldüüüü. Fängt da ein Schlagbohrer an, so ein Profiding von Hilti oder Bosch, im Stockwerk über uns. "RRR RRRR… entspan…RRR RRR KREISCH SCHSCH wir…RRR RRRR üren…RRRR…RRR…RRR… fasst." Sorry, ich musste so lachen, dass mir die ganze Konzentration den Bach runter ging. Auch die anderen Augenschließertrainees waren etwas aus der Spur. Wir sollen uns nix draus machen, deswegen wären wir ja hier. Klar, denke ich so bei mir, Entspannungstralala á la Jacobson mit Schlagbohrmaschine in 3 Lektionen. "Wir machen eine Faust und halten die Spannung, halten die Spannung, und entspannen… Haben Sie zu der Übung noch eine Frage?" Also, nehmt mal den guten alten Google, um rauszufinden, was Jacobson ist, das mache ich gerade.&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;p&gt;Jetzt war mein Tag fast rum, dachte ich, was soll da noch kommen? Ein Highlight hab ich noch, eins hab ich noch…&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;p&gt;‚Koronare Übungsgruppe' war der Titel, ihr kennt ihn schon vom Freitag. Da, als wir Säckchen warfen und Pulse maßen? Genau da. Heute war das noch mal, weil die Software es nicht geschafft hatte, mich vom Freitag bis zum Montag umzubuchen. Natürlich war die Software schuld und nicht die Leute, die sie bedienen, das ist wie mit IFS (etwaige Mitleser vom AD wissen, was ich meine). Au Weia, dachte ich, als ich da in vorschriftsmäßigen Trainingsklamotten anrollte, au Weia, wenn das wieder so wird wie Freitag…&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;p&gt;Es wurde. Nur warfen wir keine Säckchen, sondern Schaumgummiwürfel und Schaumgummibälle. Aber hallo! Und zur Konzentrationsübung hatte sich der Trainer ein Spiel ausgedacht. "Merkt auch den Namen dessen, der rechts von euch steht." Das klingt machbar. "Wo ist rechts? Von Ihnen aus oder von mir aus?" "Von mir aus von Ihnen aus." Das hätte er nicht tun sollen, Wortspiele gehen in koronaren Übungsgruppen nicht. "Von wo jetzt?" "Rechts von dir, frag doch nicht so blöd!" Wie ich fand, eine gute und angemessene Antwort. Aber ich war ja auch nicht der Frager. "Ich finde gar nicht, dass das eine blöde Frage war…" Er wusste nicht, wie recht er mit dieser kindergartenhaft trotzigen Bemerkung noch haben würde. "Jetzt werfen wir die Bälle nach rechts und rufen dabei den Namen des rechts von Ihnen stehenden." "Paul, Egon, Pit, Werner, Ilse, Helmut." Die Namen flogen durcheinander, die Bälle auch. Der Trainer drehte die Augen nach innen, das kann er gut, das kannte ich schon. "Nach rechts! Die Bälle nach rechts!" "Ach, ich dachte nach links rufen und nach rechts werfen." Aber sie sollten sich doch nur den Namen des rechts von ihnen Stehenden merken, wie können sie da nach links rufen? "Den kenn ich doch aus der anderen Gruppe…" "Und jetzt merken Sie sich auch noch den Namen des links von Ihnen stehenden. Das klingt wiederum machbar. "Wo links? Von Ihnen aus oder von mir aus?" "Wie vorhin, von Ihnen aus." Das hätte er wiederum nicht tun sollen, keine Wortspiele gehen in koronaren Übungsgruppen auch nicht. "Von wo jetzt?" "Links von dir!" Wie ich weiter oben schon fand, eine gute und angemessene Antwort.&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;p&gt;"Und jetzt werfen wir die Würfel nach links, die Bälle nach rechts und rufen dabei die Namen derer, denen wir etwas zuwerfen."&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;span  xmlns="" style="font-family:arial;"&gt;&lt;p&gt;Könnt ihr euch vorstellen, wie die Stunde ausging?&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;span   xmlns="" style="font-family:arial;font-size:100%;"&gt;&lt;p&gt;Zum mitzählen: 6. Tag geschafft, noch 15.&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6050194908807026426-6411018224212971800?l=bigalsdaddysherz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/feeds/6411018224212971800/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/1082009-27-tag-6-tag-reha-wurfel-nach.html#comment-form' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/6411018224212971800'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/6411018224212971800'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/1082009-27-tag-6-tag-reha-wurfel-nach.html' title='27. (Reha 6): Würfel nach links, Ball nach rechts'/><author><name>Big Al's Daddy</name><uri>http://www.blogger.com/profile/05681753165724620269</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6050194908807026426.post-6150281559150194011</id><published>2009-08-09T20:43:00.006+02:00</published><updated>2009-08-14T15:17:43.787+02:00</updated><title type='text'>26. (Reha 5): Sonntag und sonst nix</title><content type='html'>&lt;span xmlns=""&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Ich habe euch nichts zu berichten, weil ich frei habe. Sonntag ist stinklangweilig, der Ort ist stinklangweilig und ich senke das Durchschnittsalter, egal wo ich hinkomme.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Ach ja: 5. Tag rum, noch 16&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6050194908807026426-6150281559150194011?l=bigalsdaddysherz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/feeds/6150281559150194011/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/982009-26-tag-nhi-5-tag-reha-sonntag.html#comment-form' title='6 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/6150281559150194011'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/6150281559150194011'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/982009-26-tag-nhi-5-tag-reha-sonntag.html' title='26. (Reha 5): Sonntag und sonst nix'/><author><name>Big Al's Daddy</name><uri>http://www.blogger.com/profile/05681753165724620269</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>6</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6050194908807026426.post-1479252855323657257</id><published>2009-08-08T20:43:00.003+02:00</published><updated>2009-08-14T15:18:29.111+02:00</updated><title type='text'>25. (Reha 4): Ergometer und das war's</title><content type='html'>&lt;span xmlns=""&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Hoid hob i gschwitzt, hergoddnommolnaaa!&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Ich werde nicht wieder folgendes tun: erst duschen, dann meine Medikamente vergessen, dann zum Ergometer-Training gehen und mit Puls 105 fast vom Fahrrad fallen.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Sonst habe ich euch nichts zu berichten, weil ich frei habe.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Ach doch: 4. Tag erledigt, noch 17&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6050194908807026426-1479252855323657257?l=bigalsdaddysherz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/feeds/1479252855323657257/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/882009-25-tag-nhi-4-tag-reha-ergometer.html#comment-form' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/1479252855323657257'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/1479252855323657257'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/882009-25-tag-nhi-4-tag-reha-ergometer.html' title='25. (Reha 4): Ergometer und das war&apos;s'/><author><name>Big Al's Daddy</name><uri>http://www.blogger.com/profile/05681753165724620269</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6050194908807026426.post-2222662912903809099</id><published>2009-08-07T20:42:00.003+02:00</published><updated>2009-08-14T15:18:57.898+02:00</updated><title type='text'>24. (Reha 3): Wasser getrunken, getreten und gelassen</title><content type='html'>&lt;span xmlns=""&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Hydor men ariston!" Schon die alten Griechen wussten, dass Wasser das Beste ist. Wie sehr müssten es also heutige Kurgäste, Reha-Patienten und andere krankheitsbedingte Wassernutzer zu schätzen wissen, zumal das Dihydrogenmonoxid hier kostenlos aus allen Hähnen sprudelt! Also grundsätzlich tun wir das ja auch, wenn ich mich mal zur Gruppe 2 meiner obigen losen Aufzählung rechnen darf, aber irgendwie ist es allgegenwärtig, das Wasser, selbst dort, wo man es auf Anhieb sicher nicht erwartet.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Mein Wecker klingelt um sechs. Und wenn ich getreu des Tages Motto heute alles in Konjunktion mit Wasser betrachten möchte, dann ist diese Uhrzeit gleich 3x benässt. Es ist so früh, dass es mir das Wasser in die Augen, mich auf die Defäkalisierungsstation und kurz danach unter den künstlichen Wasserfall treibt. Dabei stets drauf achtend, dass ich nicht Hitchcocks ewigen Kamerafahrten zum Opfer falle.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Wo wir uns gerade zwischen orangeroten Kleinewolkeduschvorhängen befinden, die nur dann nicht an dir kleben, wenn du nicht in der Dusche bist, weiß einer von euch, was Sodium Laureth Sulfate, Cocamidopropylbetaine, Peg-7 Glycerilcocoate oder Peg-120 Methylglucosedioleate ist? Ich auch nicht, aber ich wasche mich damit. Es ist in meinem Duschgel, nee, falsch geschrieben, wart ma, "Shower Gel Gel Douche" enthalten. Und die Plastiktube ist e 1.6 FL.OZ. groß. Hersteller, oder Vertreiber oder Markeninhaber (das geht nicht so klar aus dem Aufdruck hervor) ist "P&amp;amp;G Prestige Beauté Geneva" also aus Genf, die in EC1A 4DD1 London residieren und in Irland herstellen. Wie bescheuert sind wir eigentlich heutzutage? 50 g (und nicht 1,6 FLOZ!) parfümierter Seifenmulz wird durch eine anglizistisch-verquaste semi-chemische Bezeichnung zur Arznei hochstilisiert, in Genf-London-Dublin von polnischen Gastarbeitern in taiwanesische Plastikfläschchen gefüllt und dann als Hugo Hugo Boss Shower Gel Gel Douche (kein Schreibfehler, so steht es auf der Tube) für 9.95 Euronen verscheppert - und von Idioten wie mir gekauft! So 'ne Dusche in der Früh macht ganz schön helle…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;&lt;em&gt;Einschub aus der Zukunft: da ich das hier am Sonntag schreibe (an dem nichts los ist, über das es sich zu schreiben lohnte), mache ich jetzt mal eine Pause, um Wasser zu treten. Also bis nachher… nö, "bis gleich" wäre richtiger gewesen, bin nämlich schon wieder da. Sonntags ist Wassertreten nicht erlaubt. Das steht auf einem dieser laminierten DIN A&amp;lt;5-Zettel, der mir wohl auf dem Weg von der Rezeption zum Zimmer abhanden gekommen sein muss: "Öffnungszeiten Wassertreten Mo-Mi-Fr 7.30-14.30, Di-Do 7.30-11.45, Sa-So nicht!". Ich sehe vor meinem geistigen Auge mit dem Rücken nach oben treibende Wasserleichen im 40 cm tiefen Wassertretbecken, scheußlich zugerichtet von den Piranhaschwärmen, die in jenem Becken samstags und sonntags von 10.15 bis 14.30 schwimmen dürfen und eine Chefärztin, die traurig den Kopf schüttelt und zunehmend verzweifelt murmelt: "Schade. Exitus. Concierge, schreiben Sie mal einen Zettel und laminieren Sie ihn, ich diktiere: Öffnungszeiten Wassertreten Mo-Mi-Fr…"&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Frisch geduscht, ein Liedlein pfiffelnd auf den Lippen, bin ich auf dem Weg zum Wiegen. Es sind gefühlte 20 Kranke aufgereiht auf den Stühlen, die armlehnenlos so eng zusammenstehen, dass sich beim Warten der schweißnasse Unterarm der 225 kg neben dir in deinen Schoß ergießt… würg. Ich weiß wirklich nicht, ob ich dieses Bild so stehen lassen soll, vielleicht hat ja eine(r) von euch beim Lesen noch nicht gefrühstückt, so wie ich zu dem Zeitpunkt, den ich da gerade in Worte zu meißeln versuche. Aber, die Situation war nicht so schlimm, wie sie für ein paar Sekunden aussah. Zunächst wurde meine zweckspessimistische Vorabschätzung der Gesamtzahl der Wartenden deutlich relativiert, indem, sagen wir, Olga, in den Gang rief: "Wär iest niecht Wiegän?" Ha, es hoben sich etwa 5 Arme, wobei ich den neben mir beinahe doppelt gezählt hätte. Bleiben noch 15 und wenn man keine blöden Fragen stellt, dauert Wiegen 10 Sekunden, mit Türauf-rein-Türzu-Wiegen-Türauf-raus-Türzu etwa 1 Minute, macht 15 Minuten plus aktueller Uhrzeit gleich 7 Uhr. Gut. Dann kann ich ja in Ruhe Frühstücken, denn um acht geht es erst weiter mit Hydrojet-Maschasse, Hydrojet-Massasse, Kreizkruzefix, ich kann dieses Wort nicht aussprechen. Nochmal langsam: H-y-d-r-o-j-e-t-M-a-s-s-a-g-e.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Guttän Morggän, Herr Bigälsdäddie, heite wiegän ohne Schuche!" Ich weiß nicht, wird man so, wenn man hier länger arbeitet? Glaubt, sagen wir, Olga, wirklich, dass ich das Gespräch von gestern schon vergessen, verdrängt, in den falschen synaptischen Zwischenraum geschubst habe? Die Waage zeigte XYZ,15 kg, das waren 150 g mehr als gestern, weil gestern waren es XYZ kg. Gut, gestern wogen wir auf einem analogen Schätzeisen, das mehr oder weniger XYZ anzeigte, je nachdem wie ich auf der fußunterstützenden Wiegeplattform stand und heute auf einer hypermodernen, digitalen Folterwaage, die auf 3 Stellen, so man es aushält und einstellt, also aufs Gramm genau wiegt. Trotzdem grinste mich, sagen wir, Olga, an und drohte schelmisch mit dem Zeigefinger. "Niecht heimli-ch naschen!". Eingedenk der Tatsache, dass die anderen da draußen auch gewogen werden wollen, sagte ich schlicht einmal gar nichts und verzog mich Richtung Frühstück. Aber ich werde nie wieder unbelastet auf meine Waage im heimischen Badezimmer steigen können, ohne diese Stimme im Ohr zu haben "Niecht mit Schuche!"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Das Frühstück war richtig gut, erstaunlich gut für so einen großen Laden. 6 Sorten knackfrische Semmeln (Haferflocken-, Sesam-, normale, Roggen-, Dinkel- und Wasser-Semmeln, also laktosefrei), 6 Sorten frisches Brot (6-Korn, Haferflocken-, Pumpernickel, Schwarz-, Grau- und Weißbrot), 6 Sorten Cerealien (Corn Flakes, Seitenbacher, Haferflocken, Weizenflocken, Roggenkissen und so Ringala), 6 Sorten Marmelade (rot, grün, gelb, orange, weißlich und Honig), Margarine (40%), Butter, Frischkäse (17%), Streichkäse (20%), Scheibenkäse (% weiß ich nicht, 2 Sorten, mit und ohne Löcher, genauer hab ich es nicht schmecken können), Wurst (mager, auch 2 Sorten, mit und ohne Farbeinschlüsse, vermutlich Gemüseexplosions-Residuen, die sie im Nudelsalat nicht fertig verbraucht haben), Joghurt (3%) ohne und ohne Geschmack (den Unterschied habe ich auch nicht herausgeschmeckt), Milch ohne Fett (0,1%), Milch mit e bissele Fett (1,5%), Sojamilch ohne Milch, Kaffe (3 Sorten, stark, schwach, kastriert), Obst des Tages, Orangensaftimitat (der ist, glaube ich, das schlechteste Zeug in der ganzen Klinik), Multivitaminsaftimitat (siehe Osaft-Imitat), Wasser (q.e.d.)*, Tee, öhm, ich glaub', das war's. Gut, nö? Wer von euch tut so viel Zeug auf den Frühstückstisch? Eben.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;*Quod erat demonstrandum beim Wasser? Was soll das? Na, ich habe doch geschrieben, dass hier überall Wasser ist, auch da, wo man es nicht erwartet. Trinkt ihr Wasser zum Frühstück? Na, also.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Erinnert ihr euch, wie ich zum Atmenlernen ein klitzekleines Bisschen overdressed war? Nun, kein Fehler ist so blöd, dass ich ihn nicht zweimal machen könnte, nicht wahr? Was ist "Massage Hydrojet"? Mhm? Na los, ihr Altphilologen, Neusprachler und Möchtegern-Etymologen! Was isses? Also ich habe wie folgt übersetzt:&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Massage" ist klar, passive Aktion, Patient räkelt sich, wird massiert, Hände und/oder Maschinen bewegen sich über Körperflächen und walken den Papa durch. Das hat später auch gestimmt, wenigstens solala. "Hydro" ist auch klar, griechische Vorsilbe für "Wasser-", wie im lateinischen "Aqua-", also Wasser- oder gar Unterwassermassage, geil, das mag ich gern, ein Sprudelbad am Morgen! Das hat später ebenfalls gestimmt, aber auch nur solala. "Jet" ist noch klarer. Wer von uns wüsste nicht, was ein Jet ist. Da es sich hier um Wasser handelt, ist ein Strahltriebwerksflugzeug nicht zu erwarten, also ein Wasserstrahl. Logisch.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Cogito ergo sum ("Ich denke, also bin ich…") habe ich die Badehose angezogen, ein T-Shirt drüber, dass es nicht so blöd aussieht, Bademantel drüber, dickes Handtuch mit, das kleine auch, nicht für die Haare, sondern für den… weißt scho, den unteren Menschen. Badeschlappen an, rüber gestiefelt.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Hier ein Auszug aus dem Werbeplakat, das an der Tür hing, hinter der ich massiert wurde: "Hydrojet, die moderne Art, viele Patienten in kurzer Zeit effektiv zu massieren, ganz ohne Ausziehen, ganz ohne Badekleidung, ganz ohne Zeitverlust in Ihrer Klinik. Legen Sie Ihre Patienten in voller Kleidung (nur warme Überbekleidung und Schuhe sollten ausgezogen werden) auf das Naturkautschuk-Bett, unter dem sich computergesteuert Düsenarme bewegen und die therapierten Körperflächen wirkungsvoll massieren. Stärke und Dauer können sie…" Ich habe dann nicht mehr weitergelesen, weil mir vor Wut fast die Tränen kamen. Ich saß als einziger Depp von etwa 15 Wartenden im Bademantel vor einer Tür, hinter der eine Art Gummibillardtisch trocken vor sich hin brummt. Und alle wussten es, nur ich nicht. Deswegen haben die alle so komisch geguckt. Die Badeärztin war aber gut, die hat keinen Ton über meinen seltsamen Aufzug verloren, hat wie selbstverständlich mein mitgebrachtes Handtuch über den Billardtisch ausgerollt, meinte nur, das nächste Mal solle ich lieber das Massagetuch mitbringen, das sei nicht so warm wie ein Handtuch, hat mich da drauf gelegt, in Badehose und T-Shirt, hat das Ding angestellt und mich fertiggebrummt. Hut ab, Frau Dr. und danke!&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;20 Minuten später war ich da raus, aber ich war so verspannt, dass die Massage nix bewirkt hat. Ich muss wohl nochmal da hin&lt;span style="font-family:Wingdings;"&gt;J&lt;/span&gt;.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Zurück auf die Bude, normale Klamotten an, auf zur Visite. Ja, "Visite" ist hier anders, hier besucht der Patient den Arzt und nicht umgekehrt, weil, da muss der Arzt/die Ärztin weniger laufen. Macht sogar Sinn, wenn man 300+ Akten irgendwohin schleifen müsste, verteilt auf 6+ Häuser und 500+ Meter, dann wäre der Tag rum, bevor die Visite fertig ist. Ich habe doch gestern nicht gewusst, ob ich heute noch hier bin, aber jetzt ist es schon (schon?) neun Uhr und ich bin immer noch da. Spaß macht es mir immer noch nicht, aber es ist zumindest interessant. Uff, ich habe 2 Stunden frei. Dann gehe ich auf mein Zimmer und meditiere, oder schreibe am Blog weiter. Das alles glaubt mir sowieso kein Mensch, aber ich lüge nicht. Ich übertreibe nicht mal sehr, ich zeichne nur die Dinge im und auch aus dem Zusammenhang gerissen scharf und überhöhe sie sprachlich. Passiert ist alles, was ihr hier lest. Ist mir aber eigentlich egal, ob ihr es glaubt oder nur unterhaltsam findet. Dies ist das erste und letzte Mal, mit dem ich auf den Wahrheitsgehalt meines Blogs Bezug nehme. Ich erlebe das hier gerade und wollte hauptsächlich meine Familie auf leichte Art informieren, wie es mir ergeht.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Ergometer trampeln macht Spaß, mir zumindest. Es ist 11, ich bin völlig richtig gekleidet, die Ärztin ist sehr kompetent, extrem zuvorkommend und von unglaublicher Höflichkeit. Wenn die alle hier so wären, dann wäre es ein Freude, die drei Wochen abzureißen.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Die haben hier 12 Spezialergometer mit angebautem EKG im Kreis aufgestellt. Erst wirst du verkabelt (3-Kanal-Schröpfkopfsaugnippeltechnik), dann höhenverstellt, dann angeschnallt, dann mit Musik überschüttet (angepasst an das Durchschnittsalter gibt es Boney M., ABBA oder auch schon mal eine Operette), dann darfst du trampeln. Ich zurzeit 75 für 15 Minuten.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Erinnert ihr euch an die seltsame Art, anderen etwas zu berichten? "Lautstark stimmlos"? Man trifft sie in Zahnarztwartezimmern, in Amtsstuben, ja, und eben auch hier. Gesprochen wird ohne Stimme, damit ja keiner hört, dass die Ärztin (waassd scho, däi wou 4 Kinnä hod, wäi däi des machd?) ihn auf 25 für 3 Minuten gesetzt hat und dann wird mit 120 dB geflüstert, damit jeder hört, wie die Ärztin (waassd scho, däi mid die grousn, wie sochd ma anschdännich, Dingä, naja, bei vier Kinnä, hähä) ihn gelobt hat, dass er 25 für 3 Minuten… Wobei diese kryptischen Werte die Wattzahl und die Zeit des Trampelergomaten angeben. Sie können für solche Gespräche aber auch gerne Harnsäurewerte in Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht, Wegstrecke in Metern pro Rolatorstunde, Anzahl der Stents pro Operation oder Länge der entnommenen Beinvene in Zentimeter pro Bypass einsetzen. Hauptsache, der Erzählende hat mehr, resp. weniger als der, dem es erzählt wird. "Was? Nur einen?" ist z. Bsp. Eine beliebte Antwort, wenn ich auf drängendes Befragen vorsichtig kundgebe, warum ich hier bin.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Als nächstes trete ich Wasser, sage aber dazu nichts mehr. Alles könnt ihr euch aus den kursiven Gedanken holen, die weiter oben stehen, als ich versucht habe, an dem Sonntag, der jetzt ist, dasselbe zu tun, wie ich es hier tat, am Freitag, der vorbei ist.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Ich rede ziemlich viel übers Essen, macht euch nichts draus. Es scheint, als ob ich die letzten 30 Jahre nicht genug über das Essen nachgedacht habe und so ist es nur natürlich, dass ich versuche, mir zu merken, was die hier so kochen. Denn es wird nach den Regeln der deutschen Gesellschaft für ich weiß nicht mehr genau, aber "richtiges Essen" kommt im Titel vor, gekocht. Es gibt Fisch, was sonst, es ist ja Freitag. Kabeljau glaube ich, paniert. Das ist gesund? Panade enthält doch Fett vom Ausbacken? Ja, aber nur, wenn du den Fisch auch in Fett brätst. Geht auch ohne, mit ganz wenig Öl. Dazu Lauch, das fand ich seltsam unpassend, aber Lauch ist gesund, also kommt er hier oft auf den Teller. Dazu Kartoffeln. Naja. Also umwerfend war das nicht, man konnte es essen. Wir wissen ja, Lich un Luf gib Saf un Kraf. Punk. Aber ein bisschen Essen muss halt auch sein.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Um halb zwei gab es ein Seminar, Titel: Grundgedanken. Da war ich zwar richtig gekleidet (grins), aber habe den Titel völlig misinterpretiert.&lt;em&gt;&lt;br /&gt;    &lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;&lt;em&gt;Dazu aber später, weil, jetzt gehe ich erst mal was essen. Ja, das ist auch wieder so ein Gedanke aus der Zukunft, weil in Echtzeit kann ich das hier ja nun nicht alles erfassen, also schreibe ich nach. Deswegen mache ich immer etwas anderes als das, was ich gerade beschreibe. Also, bis gleich…&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Ich dachte, mit "Grundgedanken" meinte die vortragende Rätin grundsätzliches Gedankengut zur Reha, also, wie gehe ich das neue Leben an, wie sehr beeinflusst das alles meinen Tagesablauf, sowas halt. "Njet", um mit, sagen wir, Olga zu sprechen. Es war ein gutgemachter Powerpoint-Vortrag über die Geschichte des Hauses, über die aktuellen Räumlichkeiten und mit einem Abschnitt "Was man weiß, was man wissen sollte" über Cholesterin und Zucker, über Fette und Rauchen, über Sesselfurzer und Sport. Gehalten wurde er von der ehemaligen Leiterin dieser Anstalt, die jetzt in Rente, Urlaubsvertretung macht. Eine sehr starke, sympathische Person. Ich war beeindruckt!&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Damit mein Tag aber wenigstens einmal mit Schwitzen zu tun hat, war doch noch Sport angesagt. Ich hatte jedoch mit den diversen Bezeichnungen hier schon ein paarmal meine Freude (denkt nur an die Billardtischmassage), und so bin ich vorher in die Sporthalle gegangen und habe mich erkundigt, was eine koronare Übungsgruppe so tut. Also dann, im Trainingsanzug, mit den Sportschuhen und dem Handtuch frohgemut und pünktlich hinein und freute mich schon. Also, damit ihr das nicht in den falschen Hals kriegt, ich bin jetzt nicht über Nacht zum Sportfanatiker geworden, aber hier war mit körperlicher Reha noch nicht viel… "Wir stellen uns im Kreis auf" sagt der Sportlehrer, "und messen unseren Puls." Hä? "Eins, zwei, drei, aaaab jetzt!" "Ich, äh, ich…" "Klappe halten, zählen…" "Welchen Puls haben Sie?" "68", "72", "74", "180" "Waaas?" "Wie misst man einen Puls?" "Man fühlt, wo der Puls ist." "Aha, wo?" Er dreht die Augen zum Himmel. "Haben Sie noch nie Ihren Puls gemessen?" "Nein, wozu?" Er dreht die Augen nach innen, dass nur noch das Weiße zu sehen ist. Um das abzukürzen, ich maß meinen Puls erneut, kam auf 68, sagte es ihm und er antwortet: "Ja, dann nehmen Sie mal ihr Schreibzeug raus und tragen das in die mitgebrachte Liste ein." Jetzt platzte mir der Kragen. "Egal, was ich in diesem seltsamen Haus mache, egal wie gut ich mich vorbereite, egal, wen ich frage, ich stehe am Schluss immer vor einem Rätsel! Wovon sprechen Sie eigentlich? Was für eine Liste, was für ein Schreibzeug? Wieso machen wir hier keinen Sport, sondern stehen im Kreis rum und messen unseren Puls? Wo bin ich hier eigentlich? Ich habe vor drei Wochen einen Scheiß-Herzinfarkt gehabt und bin jetzt hier zur Reha. Ich komme mir vor wie ein Erstklässler und nicht wie ein aufgeklärter Patient! Ich war noch nie hier und ich will auch nie wieder hierher. &lt;strong&gt;Erklären&lt;/strong&gt; Sie mir also, was ich tun soll und &lt;strong&gt;erklären&lt;/strong&gt; Sie mir, was Sie von mir wollen! Dann werde ich auch mithelfen!" Ich hatte mich richtig in Rage geredet. Und wisst ihr, was passiert ist? Der Rest der Gruppe klatschte Beifall. Das war mir jetzt zwar nicht so recht, aber irgendwie hatte ich den wunden Nerv aller hier getroffen. Das hatte wohl auch der Sportlehrer erkannt. Er machte ein professionell betrübtes Gesicht und erklärte. Die Details sind hier nicht so wichtig, aber es ging um eine lückenlose Aufzeichnung von Ruhepuls, Belastungspuls, Dauerbelastungspuls und Ruhepuls, stellvertretend für das EKG. Na schön, warum erklärt das keiner vorher? So ein Hexenwerk ist das ja nun auch nicht. In den Unterlagen war nix darüber und wenn ich den armen Sportlehrer nicht stellvertretend für die ganzen Unfähigen in diesem Haus angebelfert hätte, wüsste ich es noch immer nicht, sondern hätte heimlich still und leise einen Kuli mitgebracht und das Zeug irgendwo aufgeschrieben.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Einer der Blog-Leser schrieb, dass "Querulanten" weiter kämen in der Reha, aber das will ich eigentlich gar nicht sein. Viele Angestellte hier geben sich rechte und redliche Mühe mit den Abläufen, aber durch die eingeschliffenen Automatiken wirkt der Patient doch immer ein wenig als Störfaktor. Ohne einen, der blöd fragt, liefe das alles besser.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Wir haben dann noch Säckchen geworfen. Säckchen? Ja, Säckchen halt, so groß wie eine Tafel Schokolade, gefüllt mit Erbschen, oder so. Das hat mich so belastet, dass ich einen Puls von 72 hatte statt 68. Und dann sind wir noch im Kreis gegangen, so schnell wir konnten. Nachdem ich alle anderen etwa 3x überrundet hatte, kam der Sportlehrer und sprach, ich sei in der falschen Gruppe. "Ach?" entfleuchte es mir. Ja, das nächste Mal solle ich in die andere Gruppe. Ich werde berichten, was die dann werfen, vielleicht große Säckchen.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Um dem ganzen Bericht noch einen weichen Abschluss zu geben: der Sportlehrer kam nach der Stunde nochmal zu mir und wir haben über den kleinen Vorfall ausgiebig gesprochen. No feelings hurt.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Ach, übrigens, meine 70er Jahre-Tasche dient nicht mehr als Kopfkissen-Support, die Hausdame (oh, la, la, la, laaaa, woandérs sind es Simmermedschön, 'ier sind es 'ausdamön) hat sich erbarmt und mir ein zweites Kissen aufs Bett drapiert. Danke, liebe Hausdame, wenn du es jemals liest, das war sehr nett, ich schlafe jetzt viel besser. Und ich habe kein einziges Mal übers Wasserlassen geredet, was sollte das also im Titel? Nix, es hat nur so schön als Alliteration gepasst &lt;span style="font-family:Wingdings;"&gt;J&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;   &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;3. Tag geschafft – noch 18.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6050194908807026426-2222662912903809099?l=bigalsdaddysherz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/feeds/2222662912903809099/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/782009-24-tag-nhi-3-tag-reha-wasser.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/2222662912903809099'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/2222662912903809099'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/782009-24-tag-nhi-3-tag-reha-wasser.html' title='24. (Reha 3): Wasser getrunken, getreten und gelassen'/><author><name>Big Al's Daddy</name><uri>http://www.blogger.com/profile/05681753165724620269</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6050194908807026426.post-1308775819129995389</id><published>2009-08-06T22:17:00.002+02:00</published><updated>2009-08-14T15:20:43.386+02:00</updated><title type='text'>23. (Reha 2): kindergarden</title><content type='html'>&lt;span xmlns=""&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Es ist 5 Uhr 23, kurz nach Mitternacht also, und in 37 Minuten wird mein Wecker klingeln, um mich gemäß seiner unentrinnbaren Bestimmung um 6 Uhr zu wecken. Woher ich das weiß? Na, ich bin doch extra aufgestanden, um mich beim Gewecktwerden zu beobachten…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Nein, ich bin nicht durchgeknallt, jedenfalls nicht mehr als sonst.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Aber ich habe hundsmiserabel geschlafen. Wie man das so erwartet, wenn man "auf Reha" geht. Alles ist anders als zuhause, damit man es sich mal so richtig gut gehen lässt. Bleiben wir in Ermangelung eines momentan unterhaltsameren Faszinosums beim Bett: zuhause ist es breit, lang, gesund und bequem. Hier ist es schmal, kurz und hart wie ein Brett. Dafür kann ich es in alle Richtungen verstellen, selbst in die, in die ich nicht schlafen will. Damit mein Kopf in einer Höhe liegt, die meine Lungenflügel erfreut und nicht alle Nachtschwestern sofort an Darth Vader erinnert, habe ich meine türkisblaue (70er Jahre, ha!) Reisetasche zusammengerollt und in die Lücke zwischen Matratze und Bettkastenumrandung gestopft. Dann schlief's.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Zurück zum Tagesablauf, immerhin scheint es ja irgendjemanden zu interessieren, was ich hier so treibe, sonst würde diese(r) Jemand(in) das hier ja nicht lesen. Also, um 6 klingelte das Erdhörnchen, quatsch, der Wecker, und ich überspringe den Hygieneanteil des morgendlichen Zeremoniells ebenso wie den Entsorgungsabschnitt. Ich denke, jeder Mensch, der schon einmal aufgewacht ist, kennt den Ablauf.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Die virtuelle Kamera sieht mich als nächstes in vorsichtiger Annäherung an das, was hier in der lokalen Fachsprache "Schwesternstützpunkt" heißt. Vorsichtig, weil ich nicht weiß, was mich erwartet und Annäherung, weil ich hier ja zur "Blutentnahme und Wiegen, in leichter Bekleidung vor dem Frühstück" zu sein habe, anderenfalls mein Kostenträger nicht begeistert wäre. Die Formulierung ist nicht von mir, die ultimative Drohung hier auf dem Gelände scheint zu sein, dass "mein Kostenträger" von meinem aktuellen Verhalten "nicht begeistert" wäre. Wobei "aktuelles Verhalten" entweder die Durchführung von nicht begeisterungsfähigen Aktionen, vulgo Rauchen, Saufen, in die Ecke pinkeln, Flaschen aus dem Fenster werfen et al ist (Yep! So steht es (naja oder so ähnlich) in der "Patientenratgeber-Belehrungsmappe") oder eben die Unterlassung von vorgeschriebenen Aktionen wie Heilwasser trinken, konvulsivisch-rhythmisches Bewegen, nasenlochgerechtes Bauchatmen oder ein Belastungs-, Ruhe, Dauer-, Eingangs-, Anfangs-, Kurzzeit-, Wiederholungs- oder Sonstwie-EKG krikelkrakeln zu lassen. Der Tag ist voll mit den nötigen Nötigungen, deren erfolgreiche Bewältigung von autorisierter Stelle unterfertigt werden muss. Und so streben ganze Horden Kranker, manche sichtlich ungeübt, manche mit professionell-abschätzigem Blick mit dem "Männchenblatt" (was das ist, dazu komme ich später), dem Therapieplan, dem Übersichtsblatt und dem Lage-/Geländeplan von Rallyestation zu Rallyestation, um angewendet zu werden (ja, Behandlungen heißen hier "Anwendungen") und um dazwischen lautstark stimmlos darüber zu berichten.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Periodisch unterbrochen von Essenszeiten, Ruhezeiten, Visiten, Durchsagen und Untersuchungen. Wer krank ist, hat hier echt keine Zeit dazu! Erst muss einmal allen bekannt gemacht werden, dass sie/er krank ist. Und das dauert! Und dann müssen sie schauen, wie sie sie/ihn rehabili…, rebilharzi…, resozibilti…, wieder hergestellt bekommen.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Hier gibt es so viel zu erzählen, dass ich immer wieder vom Stöckchen aufs Hölzchen komme. Öhm, was war? Ach ja, Schwesternstützpunkt. In trefflicher Analogie zur Marine ist dies die Stelle, aus der die Fregatten auslaufen, um Krieg zu führen, beziehungsweise zu dem die Verwundeten kriechen müssen, um Salbung zu erfahren. Hier sollte ich also hin, um meinem Körper Blut entnehmen zu lassen. Geht das nicht anders, weniger prosaisch, meine ich? Vielleicht sollten wir von "Blutzoll" oder "Aderlass", oder halt, noch besser, "Blutopfer" sprechen! "Entnahme", wie profan klingt denn das? Als ob man einem Kaffee-Automaten die Plärre entnähme…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Übrigens, auf allen Therapieplänen ist "Erdgeschoß" von Hand durchgestrichen und "1. Stock" drübergeschrieben. Nicht etwa, weil dieser magische Raum nicht mehr im Erdgeschoß wäre, sondern weil er, je nachdem, von wo man kommt, entweder im Erdgeschoß oder im 1. Stock liegt. Man hätte halt das den Raum umgebende Klinikgebäude nicht in einen Hügel hinein bauen und es von beiden Enden betretbar machen sollen. So etwas verwirrt die Kunden, äh, Patienten über die Maßen.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Du!" Ein ausgestreckter Zeigefinger droht mich zu erdolchen. "Bist du Visite oderrr Wiegen????"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Weder noch. Ich bin Big Al's Daddy (Name von der Redaktion geändert). Und wer sind Sie?"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Sehrrr lustig, ich bin Mitpatient und sorrrge dafür, dass hier alles mit rrrechten Dingen zugeht!"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Aha. Und was ist ‚rechts' bei den Dingen hier?"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Dass sich keinerrr vorrrdrrrängelt, dass keinerrr auf derrr falschen Seite sitzt, dass zügig aufgerrrückt wird."&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Herr Bigälsdäddie, bittä!" Scheiße, da ist des Herren Mitpatienten Blockwartschaft den Bach runtergegangen, bloß weil Schwäster, sagen wir, Olga, mich schon erspäht hatte. Nun, ich ahne, dass ich diesen sauberen "Herren" nicht das letzte Mal gesehen habe…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Gutten Morggän! Wänn Sie die Schuche niecht anhabben wuollen bei Wiggän, daan sollten Sie immär nicht anhabbän, die Schuche!" Äh, ja. "Bei Wiggän!" Ja, klar, wann denn sonst?&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt; "Wieviel Sie habbän?" Bin ich Arzt? Bin ich Schwester? Muss ich eine klinische Waage ablesen können? Nachher mißt die in Gramm pro Körpergröße minus Datum und ich lese eine völlig falsche, therapieschädliche Zahl vor! Ich schweige. "Wieviel habbän Sie?" Schau an, es spricht deutsch. Wenn ich nur so gut russisch könnte wie sie deutsch, unser Gespräch wäre viel einfacher…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Zu schwär!" Ja, das wusste ich schon, wechseln wir das Thema. "Wo soll ich stächen? Links sieht aus wie Rollvänä. Sie chabben Rollvänä. Eieieiei!"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Was chabbe ich? Ein Glück, dass ich schon krank bin, hier könnte ich es sonst glatt werden! Wenn jemand vor sich hinmurmelt, dabei deine Vene zersticht, partout nichts abgezapft kriegt, die Schuld daran deiner Rollvänä gibt UND dabei nach Knoblauch und unter dem Arm raus stinkt, wo bist du dann? Richtig. In Räha in Stietzpunkt bei Schwäster, sagen wir, Olga.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Danach brauchte ich ein Frühstück. Dringend. Knoblauchfahnen und Achselpheromone von ungewaschenen Fleischwarenfachbetreuerinnen gehen einfach nicht auf nüchternen Magen. Menschenskind nochmal, ich bin doch hier, um gesund zu werden, oder?&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Also, auf zum Restaurant! Von viertel nach sieben bis halb zehn gäbe es hier ein sehr ordentliches Frühstück! Doch, o weh geschrien, wo sitze ich denn? Ich bin eigentlich ein schüchterner Typ (sic!), mag im Restaurant ein bisschen geschützt sitzen, kann es nicht ab, zu hunderten in einem Raum zu spachteln. Na dann, herzlich willkommen im Großraumspeisesaal (Typ Gelsenkirchener Barock mit unsäglich kleinen, durchgesessenen Stühlen) des Klinikums. Die ganze Qual von etwa 300 rekonvaleszenten Kranken, Verletzten, Behinderten, Fetten oder Dürren springt dich fast körperlich an. Den Blick geradeaus gerichtet, eine kleine, junge, pausbäckig gesund aussehende Bedienung fest ins Auge gepackt, kraule ich durch das Frühstücksbecken, dessen Kalorienzählorgien mir ans Öhrchen plätschern.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Was hod edzad dei Semml khabd? Fezich oda fuchzich?" "Waas ned. Woardscheins fezich, weil, däi wou iiich gesdan khabd hob, woar aa fezich."&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Sind Sie blau? Ach, schau hin, ein Weißer!"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Nehmwa det Jemüsegrillzeuch hoite mittach, et schmeckt ooch nich bessa als et Flaischimitat, wa?"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Was ist das?" "Lauch." "Was?" "Lauch." Was IST Lauch?" "Weiß nicht, eine Zwiebel, glaube ich." "Mag ich nicht." "Iss, du sollst schließlich gesund werden." "Was ist gesund?" "Nicht krank."&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Ich verstehe nicht. Noch nicht.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Guten Morgen, Big Al's Daddy mein Name, wo sitze ich denn?"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Moment… Tisch 84 (von über hundert)… mhm, RK (Reduktionskost) 1.400 (kcal pro Tag), soso." Ich werde zu diesem Tisch geführt, hinten links, eine sitzt schon, erhebt sich kurz, als ich an den Tisch trete. "Guten Morgen, Exösiwährung (Name von der Red. geändert) mein Name, hihihi." OK, wenigstens nett und gut erzogen. Ich sitze. "Also hier müssen Sie auswählen, was Sie nächste Woche wollen. Und da hinten ist das Diätregal, da brauchen Sie nicht hin. Salat können Sie haben, so viel Sie wollen und da gibt's Brot. Guten Appetit." Abgang, Vorhang, Applaus. Das hat das Mädchen schon öfter erzählt, wobei es mir unklar ist, warum Text mit so wenig Informationsgehalt überhaupt erzählt wird.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Aber: der Kaffee ist gut, das Frühstück auch, mit den diversen Kalorieneinheiten und den Fetten, den Eiweißen und so weiter komme ich ganz gut zurecht, das haben wir ja zuhause schon geübt. Heureka, der Tag kann kommen!&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Und er kam. Als nächstes in Form eines Ex-Gymnasialprofessors namens Schwafel (Name von der Red. geändert), der etwa 75 ist, etwa 6 Kinder mit etwa 4 Frauen hat, das Jüngste ist etwa 4 und von einer etwa 36jährigen, die, mit der er gerade lebt. "Grüß Gott, mein Name ist S. brabbelbrabbel... Wie lange haben Sie denn den Moustache schon, brabbel? Ich muss der Rezeptionistin mal sagen, dass sie langsamer sprechen soll, brabbel, braaabbel… Also ich bin ja noch mit dem Fahrrad in die Klinik gefahren, brabb, brabb... Und was haben Sie, brabbelllll?" Ach du lieber Gott. Ich rede ja schon viel, aber der…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Als zweites kam so hoch wie breit – die vierte an den Tisch. Aus Niederbayern, hat's mit den Knochen, nennen wir sie, sagen wir, Reserl. Unglaublich, wenn jemand zu kurze Arme hat, um an einem Tisch zu essen, oder? Ja, gut, genau genommen waren die Arme ja nicht zu kurz, sondern sie konnte halt nicht näher an den Tisch ran, muahahaha.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Cut. Halbtotale, Schwesternstation III, die dritte. "Zu Ienformazionsgäspräch der nächste bittä!" Och nee, nicht schon wieder, bzw. immer noch. Selbst mit Frühstück ist so eine Schwallpackung schwer zu ertragen. Hoffentlich hört sie bald auf zu winken, damit ich an ihr vorbeikomme ohne den roten Knopf zu brauchen. Der rote Knopf ist überall. Wenn dir komisch wird. Oder du stirbst. Was in einer Klinik oft dasselbe ist. Dann kannst du draufdrücken, dann hilft dir einer, oder schlimmstenfalls räumt er dich weg, damit die anderen mit dem Rolator wieder vorbeikönnen. Um euch einen Begriff von der Uhrzeit zu geben: es ist erst 8:30. Another twelve hours to go…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Das hier ist Ienformazionsgäspräch. Sie heißen Big Al's Daddy?" Was soll man auf eine so blöde Frage antworten? Ich gebe ihr vor 10 Sekunden meinen Therapieplan, den ich mitgebracht habe, auf dem an 200 (mindestens!) Stellen aufgedruckt ist, wie ich heiße, wo ich nächtige, welche Anwendungen (da ist es wieder, das Wort) ich habe und sage dazu folgende historische Worte: "Guten Morgen, mein Name ist Big Al's Daddy, ich bin hier zum Informationsgespräch…" Meine Meinung steht fest: die ist blöd. "Wenn Sie chabben Fragä, Sie kommen chierchär zu Stietzpunkt in Ärgeschohß." Mooooment! Das hier sei der 1. Stock, sage ich und zeige auf die von Hand ausgebesserten Stellen im Plan. "Ist ägal, chommt darauf an, wochär sie chommen." So blöd ist sie also doch nicht. "Chier ist Männchenplan, Sie missen immär mitnähmen und zeigen bei Anwändunn-gen."&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Ein "Männchenplan" ist ein Diagnoseblatt zur Information der Anwender, und er heißt so bei Olga, weil da ein Männchen drauf ist, an dem umkringelt wird, was kaputt ist an dem Männchen, das den Plan herumträgt. Bei den Weibchen ist das auch so, heißt aber dort auch Männchenplan, weil "Gäschlächtsmärkmalä nicht auf Männchenplan" sind. Bei mir ist die linke Brust umkringelt und dabei steht: ‚a kut Hintenwandinf am 14.07.09. khlk 1. Gefößerkr PTCA, stenti9. Hrt Mypertonia...' Also jedenfalls ist es das, was ich entziffern kann.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Zeigen Sie chär, wälche Therapieplan Sie chabbe." Ich zeige chär. "Das war gästern, ist gutt. Das war auch gästern, ist auch gutt." Abhak, abhak, durchstreich, zurückgeb. "Sie chabbän noch Fragä?" Ich hatte keine mehr. "Dann Informazion färtig. Scheene Tag ich wiensche!"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Hä? Welche Informationen habe ich erhalten, dass ich jetzt auf meinem Plan unterfertigt belehrt bin? Als Fremdenführerin wäre, sagen wir, Olga, eine Katastrophe, und als Karstadt-Erdgeschoßparfümtante auch. Aber gottseidank macht sie ja nichts so wichtiges, sondern ist nur Stazionschwäster auf einer Herzpatienten-Rehastation. Seufz.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Ich gehe zurück, nein, ich schleiche zurück aufs Zimmer (die Wege sind hier nicht weit und das ganze Areal ist im Wald und sehr schön gelegen) und frage mich: "Hallo, Pit, äh, Big Al's Daddy, WAS machst du hier? Und wie schaffst du es, morgen auch noch hier zu sein? Willst du das wirklich?" Ich weiß nicht, antworte ich mir, und das ist die Wahrheit.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Aber heute bin ich hier und um 11 geht's weiter mit einem Belastungs-EKG. Vielleicht macht das ja Spaß.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Für die, die noch keinen Herzinfarkt hatten: EKG heißt Elektrokardiogramm und ist eine Aufzeichnung von bis zu 12 Kanälen, also verschiedenen Signalen, die das Herz so umeinander sendet. Wer also bisher sein Handy in der linken Hemd-Brusttasche rumträgt, sollte neu nachdenken… An diesen Kurven kann die/der Fachfrau/-mann erkennen, was mit der Pumpe ist. So, und die Belastungs-EKG werden wie folgt angefertigt: der Patient wird auf ein Ergometer (ein Fahrrad ohne Räder) gefesselt, er muss trampeln, dann wird die Bremse am Pedal immer fester angezogen, bis auf dem Display eine bestimmte Wattzahl steht, das EKG zwölf gerade Linien zeigt und einen Dauerton aussendet, etwa: "Fiiiiiiiiiiiiiiiieeep". Dann war die Belastung zu hoch. Diese Wattzahl wird ins Männchenblatt eingetragen und das Männchen durchgestrichen.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Mir geht, glaube ich, gerade meine Phantasie mit mir durch. Also nochmal: …trampelt, bis das EKG unregelmäßig wird (unter ständiger ärztlicher Überwachung) oder der Patient vorher nicht mehr mag. Diese Wattzahl wird auf einen Extrazettel geschrieben und zusammen mit dem Trainingspuls (= (max. erreichte Herzfrequenz im Belastungs-EKG minus Herzfrequenz in Ruhe) mal 0,6 plus Herzfrequenz in Ruhe) zum Männchenblatt geheftet.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Mittagessen. Wie Frühstück, nur mittags. Gut, reichlich, schmackhaft, nahrhaft, ich kann mich echt nicht beklagen und tue das hiermit auch ausdrücklich nicht. Andererseits… wie soll ich von 1400 Kalorien überleben? Andeutungen von Fleischfasern weisen auf den Titel "Gulasch mit Reis" hin und dort, wo es anfängt zu schmecken, beginnt bereits der Zucchini-Bereich. Leutz, ich werde sicher schlank wie eine Gerte! Ach, und hier die Farbcodes, die mit der Serviettentasche (mal ehrlich, wusstet ihr, dass es so etwas wie eine Serviettentasche gibt?) mitgeteilt werden. Blau: verträgt was nicht, Allergiker, kein Schweinefleisch oder keine Kuh. Orange: reduzierte Kalorien, entweder 1.400 oder hardcore 1.100 kcal/Tag. Weiß heißt Vollkost, da ist Hopfen und Malz eh verloren, und Diabetiker habe ich vergessen, ich glaube, Türkis. Ich würde so gerne über das Essen maulen, aber das wäre nicht fair und außerdem nicht richtig. Die geben sich hier richtig Mühe mit dem Mampf!&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Ha, und dann ging's los, das Trainingsprogramm! "Atemgymnastik"! Toll! Sport! Schwitzen! Verausgaben! Ich kann es kaum noch erwarten, ziehe meine neuen Sportklamotten an (extra gekauft mit meinem Weibi zusammen (für Eingeweihte: "Glucke-san")), nehme mein großes Handtuch mit, die neuen Nike (Noblesse oblige!) an, und…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;… Jesses, hab' ich mich blamiert. Im Trainingsraum im Haus 3 ("damit Sie alle nicht so weit laufen müssen", immerhin ist die Sporthalle 50 m weit weg!) trudelten ein:&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul&gt;&lt;li&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;ich, tänzelnd, leichtfüßig, auf eine harte Trainingsrunde vorbereitet&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;eine Oma im Gehfrei-Rolator (ca. 94, sehr nett, sie war fertig mit reinkommen, als wir fertig mit allen Übungen waren)&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;eine jüngere Frau (etwa 85) auf Krücken, mit Edelstahl im Hüftgelenk und grauer Haut vor Schmerzen&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;ein frisch operierter 6-fach Bypass aus der Beinvene, der draußen vom Rauchen kam&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;eine, wie sag ich das denn? Dampfwalze? Ne, wartma, so breit wie hoch, ne, geht auch nicht, die sitzt ja bei mir am Tisch. Öhm, eine Person mit zu viel Körper für ihre Größe? Ja, das geht.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;ein anderer Herzinfarkt, mit der gleichen ungeübten Bedenklichkeit wie alle Rookies hier.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;und die Trainerin. Sie begann mit den Worten: "Jetzt setzen wir uns mal ganz konzentriert hin. Wir setzen uns hin… Hinsetzen!!!" "Hä? Ich hab grad mein Hörgerät nicht drin, ich dachte zum Atmen brauch ich es nicht." Recht hat sie eigentlich, die Oma… Wir setzten uns. Ich war schweißgebadet, so ein kräftezehrendes Training hatte ich nicht erwartet. Immerhin waren es etwa 35° C in dem Raum und aufmachen durften wir kein Fenster, wegen der Erkältungsgefahr der Frischoperierten. Geil. Keine 10 Minuten waren rum und zack! schon saßen wir im Kreis. "Jetzt legen wir die rechte Hand auf die obere Brust, auf das Brustbein…" "Welche Hand?" "Die rechte" "Welche?" "Die Rechte." "Wohin?" "Aufs Brustbein." "Wohin?" Ach, herrje nochmal! Wie kann man so jung sein wie die Trainerin und so viel Geduld haben? "Jetzt atmen wir…" Ach, DAS war es! "Atemgymnastik" – wir üben atmen! Na, da war ich ja völlig richtig gekleidet!&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Wie viele Sorten Atmen kennt ihr? Ich dachte zwei, ein und aus. Faaaalsch: hier eine Auswahl:&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Ein mit Hand auf Brust, aus mit Hand auf Brust, ein mit Hand auf Bauch, aus mit Hand auf Bauch, Nase ein, Mund aus, Mund ein, Nase aus, rechtes Nasenloch ein, linkes aus, rechtes Nasenloch ein, Mund aus, das Ganze mit linkem Nasenloch, jetzt mit Mund ein und Nase aus, alle Nasenloch! (Fakultät), ein, nicht aus, jedenfalls nicht gleich. Aus, nicht ein, jedenfalls auch wieder nicht gleich. Jedes 10x, danach Schultern ausschütteln, wegen der Anspannung.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Na? Nachgemacht? Hyperventiliert? Schwindlig geworden? Brav, mir auch. Und wisst ihr was? So blöd diese Übungen klingen, wenn man sie wie ich hier beschreibt, man fühlt sich danach besser. Also macht mal! Kleine Atemschule für Blogleser…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Kaum konnten wir richtig atmen, sollten wir uns bewegen und entspannen. Ja, ihr habt richtig gehört – "Bewegen und Entspannen", eine Begrüßungsgeschichte für jedefrau/-rmann, die/der diese Woche hier ins Kloster… in die Klinik gekommen ist. "Wir setzen uns im Kreis, ach Sie sitzen schon, ich heiße Elfriede (Name von der Red. geändert) und bin Physiotherapeutin. Alle, die nicht frisch operiert sind, mal aufstehen, dann alle, die wegen des Herzens hier sind, wieder setzen, der Rest…" Da war kein Rest. Hauptsächlich deswegen, weil letzte Woche nur frisch operierte Patienten oder Herzkranke eingeliefert wurden. "Ja, dann stehen eben mal alle wieder auf, ok, die mit den neuen Hüftgelenken nicht, die mit den Meniskussen auch nicht, nein, die Knie auch nicht, öhm, also mal nur die… wir machen das mal anders. Wer kann aufstehen?" Alle meldeten sich. Da kannste es sehen, Kranke sind auch nicht leichter zu lenken als Gesunde…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Ich überspringe mal die Details der nächsten Minuten. Hauptsächlich, weil wir am Schluss alle saßen und die Fähigkeiten dieser Physiodingsda noch einmal in einer anderen Geschichte vorkommen und zweitens, weil das so stinklangweilig war, dass etwa 5 Leute eingeschlafen sind und lauthals ratzten, während sie ihre Geschichte erzählte, von einem Luftballon, der ein großer Heißluftballon sein wollte, es aber nicht durfte. Das war der entspannte Teil, der bewegte war, die Zehen und die Finger so auszustrecken, als ob wir im Nachbargarten Obst klauen wollten. Öhm? Ja, ich lass das mal so stehen. Das wirkt aus sich selbst heraus, ich brauche es nicht literarisch verfremden. Der Kinderanteil bei den Kranken war übrigens 0 Prozent.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Dann leuchtete das Abendrot und mit ihm kam das Abendbrot. Dieser Reim ist irreführend. Es war kein Abendrot, es war ja erst halb sechs. Aber es gab Abendbrot. Nudelsalat mit grünen und roten Paprikaexplosions-Residuen, Truthahnschinken aus Truthahn (ja, das ist heute nicht mehr selbstverständlich) und Salat. Ach, und Plastikkäse (7% F. i.d.Tr.). Naja. Und Brot, aber nur zwei kleine Scheiben, weil RK 1.400 heißt "nur zwei kleine", wenn es mittags Gulaschfasern mit Zucchinilöwenanteil gab. Das wird halt zusammengerechnet. Seufz.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Bitte kommen Sie" so hieß es auf einem DIN A 7 Zettel, "zu unserem Begrüßungsabend im Raum soundso um 18.45. Für Getränke wird gesorgt." Ich hätte misstrauisch sein müssen, bin aber trotzdem hingegangen. Die Veranstaltung war eine der Bedienungen aus dem Speisesaal und das Getränk war Orangensaftimitat (nicht Konzentrat, Imitat!), gegen die die Aldibrause ein wahres Labsal ist. Sie hat uns erklärt, wo der Speisesaal ist, welche Farben was bedeuten und dass der Bus in die Stadt fährt. Woraufhin einer fragte, warum er keine Kurkarte bekäme, er wolle doch auch in die Stadt. Er dürfe nicht in die Stadt, das habe der Arzt so entschieden, aber trotzdem, sagte die Bedienung, in die Stadt könne er schon, ohne Kurkarte, und wenn ihm komisch würde, in der Stadt gäbe es halt keine roten Knöpfe.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Bitte kommen Sie", so hieß es auf einem DIN A 8 Zettel, "zu unserer Informationsveranstaltung im Raum soundso um 19.15. Für Getränke wird gesorgt." Ich hätte misstrauisch sein müssen, bin aber trotzdem hingegangen, ich war ja schon im Raum soundso. Die Veranstaltung war eine andere Bedienung aus dem Speisesaal und das Getränk war Orangensaftimitat (dasselbe!), gegen die die Aldibrause noch immer ein wahres Labsal ist. Sie hat uns erklären wollen, wo der Speisesaal ist, welche Farben was bedeuten und dass der Bus in die Stadt fährt. Woraufhin einer fragte, warum er keine Kurkarte bekäme, er wolle doch auch in die Stadt, das hätte er die andere professionelle Begrüßerin schon gefragt. Dann bin ich gegangen, so werde ich nie erfahren, ob er eine Kurkarte bekam oder nicht.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Koordination ist eben alles, aber so war es auch lustig und der Abend war wenigstens rum.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Jetzt bin ich fertig mit schreiben, aber die machen hier das WLAN um zehn dicht, sodass ich es nicht mehr hochladen kann. Schade, so könnt ihr es erst morgen lesen. Aber schließlich ist um 22.30 Nachtruhe! Und der gebe ich mich jetzt auch hin, um dann morgen für das frisch zu sein, was ihr übermorgen lesen könnt. Ihr wisst ja, um sechs klingelt das Erdhörnchen. Wie komme ich immer auf Erdhörnchen?&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;P.S.: Das Abendbrot war gut, aber zu wenig. Mensch bin ich verfressen!&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;P.P.S.: 2. Tag geschafft – noch 19.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;P.P.P.S.: Wenn's euch gefällt, schreibt was. Blogger lieben Kommentare.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6050194908807026426-1308775819129995389?l=bigalsdaddysherz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/feeds/1308775819129995389/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/23-tag-nhi-2-tag-reha-kindergarden.html#comment-form' title='6 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/1308775819129995389'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/1308775819129995389'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/23-tag-nhi-2-tag-reha-kindergarden.html' title='23. (Reha 2): kindergarden'/><author><name>Big Al's Daddy</name><uri>http://www.blogger.com/profile/05681753165724620269</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>6</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6050194908807026426.post-219345942766969071</id><published>2009-08-05T20:00:00.002+02:00</published><updated>2009-08-14T15:21:11.372+02:00</updated><title type='text'>22. (Reha 1): Anreise zur AHB*/AGM*</title><content type='html'>&lt;span xmlns=""&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;So gegen neun weckt mich mein Weibi: "Du wolltest doch zur Reha spätestens um 11 abfahren und den Rest packen müssen wir auch noch…" Darin ist eine Formulierung enthalten, die ich nur mühsam so stehen lassen kann: ‚du wolltest doch…' Ich wollte eben nicht. Diese ganze Sch… mit dem Infarkt, das Kranksein, die erzwungene Pause, das Langsamtunmüssen, ächz, speutz, würg, wer will das schon. Ein guter Freund würde sagen: "Des brauchd kaa Mensch!" Recht hat er, aber ich muss halt.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Mein Rentenversicherungsträger teilt mir mit, dass der Ärztin/dem Arzt folgende Mitteilung mitgeteilt wurde: ‚Mitteilung für die behandelnde Ärztin/ den behandelnden Arzt über die Bewilligung der beantragten Leistungen zur medizinischen Rehabilitation'. Darin wird mitgeteilt, dass der Patientin/dem Patient (wissen die nicht einmal welchen Geschlechtes ich bin ?) eine Leistung zur medizinischen Rehabilitation mit Bescheid vom dannunddann bewilligt worden wäre. Wenn ihr den Eindruck einer gewissen Redundanz habt, dann rechnet das mal auf 2 Mio. Fälle pro Jahr hoch. Wenn die jedes nötige Wort pro Brief nur einmal verwendeten, müssten die Beamte entlassen. Geht aber nicht. Beamte entlassen ist wie, wie… fällt mir nix ein. Geht halt nicht. Also weist man die schreibenden Beamten (können ja nicht alle, manche können nur lesen…) an, pro Brief nicht weniger als zwei aber nicht mehr als vier Wiederholungen zu verwenden, es sei denn, das Schreiben bleibt verständlich. Dann müsse solange Beamtendeutschtümelei hinzugefügt werden, bis der Komprehensitätsfaktor sinke. OK, wo war ich? Genau, nun muss ich…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;"Hast du die Taschenlampe?" Wieso, haben die da kein elektrisches Licht in der Klinik? "Für Wanderungen?" Öhm, keine Ahnung. Ist das eine Wanderklinik? "Denk an die Turnschuhe, Badeschlappen, Hausschuhe, Straßenschuhe, Sandalen, Bergschuhe…" Ich habe doch keinen Schuhladen! Meine ganzen Bestände, die ich sonst übers Jahr trage, soll ich hier auf einmal mitnehmen? "Stell dich nicht so an." Ja. Ich weiß, für euch Frauen sind Schuhe wichtig, wir laufen nur damit. Und wenn ich in einem Paar gut laufe, warum sollte ich dann ein anderes Paar nehmen? "Die Regenjacke?" Mir egal, wenn's regnet im August, ist eine Regenjacke sicher prima. Wenn's nicht regnet, eher nicht. Regnet's? "Weiß ich doch nicht, nimm sie lieber mit!" Oh Weibi. Das Füllen der zwei Koffer für drei Wochen entbehrt nicht gewisser kafkaesker Momente, die ich euch jedoch, zumindest für den Moment, ersparen möchte. Auch die lustigste Trivialität wirkt nicht lustig, sondern eben nur trivial.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Und dann fahren wir los. Das war ein blöder Moment. Ich kam mir vor wie… verschickt. Ver-rückt. Also aus der normalen Stelle weggerückt, schon beim Losfahren. Meine Frau war ja dabei zum Händchenhalten und ich hatte ja noch eine Schonfrist bis zur Ankunft, aber mit Navi macht nicht einmal das Verfranzen Spaß, weil die Kiste sofort labert, dass sie die Route neu berechnet und zack bist du wieder in der Spur. So etwas bräuchten manche fürs Leben. "Das Real-Life-GPS für Geschiedene! In zwei verschiedenen Farben: für Gewinner und für Verlierer des Rosenkriegs. Uuuund hier die Sonderausgabe für Patchwork-Familien, auch mehrsprachig…!" Ich schweife ab. Also, nach ereignislosen 2 Stunden kamen wir an. Dort da, in der Klinik da. Da, wo ich halt jetzt bin. Die hatten ja in einem Schreiben drum gebeten, am Anreisetag zwischen 9.30 und 14.00 da zu sein und gefragt, wann ich käme. Da habe ich wahrheitsgemäß geantwortet: "Zwischen 9.30 und 14.00." Wahrscheinlich finden die das nicht mal komisch…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Die Anmeldung war wie in einem großen Hotel. Naja, fast. An der Rezeption war ein Mann, der die ganzen Personalien aufnahm, meine Frau als Begleitperson buchen wollte und einen kompetenten Eindruck machte. Bis er sagte: "Setzen Sie sich dahin, wir führen Sie aufs Zimmer." Hallo? Also nicht etwa: "Wir zeigen Ihnen Ihr Zimmer." sondern "…wir führen…" Das ist mir in einem Hotel dieser Welt noch nie passiert, ergo sind wir hier nicht in einem Hotel. Ich erwiderte, dass er mir einfach zeigen solle, wo das Zimmer sei, ich fände es dann schon. "BITTE-SETZEN-SIE-SICH!" Das ist genau der Tonfall, der mich regelmäßig das Gegenteil dessen machen lässt, was mit solchen Geräuschen verlangt wird. Bevor jedoch meine kardioperipheren Werte in unbrauchbare Höhen kletterten, schaute mich mein Weibi beruhigend an. Ich setzte mich, aber ich schwor mir: werde ich hier gesund, hört dieser Empfangstusserich noch ein paar Takte von mir. (Anmerkung aus der Zukunft: ich habe ihn bisher nicht mehr getroffen, obwohl ich schon 4 Tage hier bin. Seltsam. Der versteckt sich.) Dann führte uns ein netter Azubi (also kein Zivi) aufs Zimmer und vorher herum. "Hier der Speisesaal, da gibt's Wasser, hier ist der Schwesternstützpunkt, da die Postfächer… murmel… erklär… darauf hinweis… schönen Aufenthalt!" Das war gut, das war professionell, das war absolut perfekt gemacht. Der Azubi hat ihn wieder rausgerissen, den Eindruck, den ersten. Denn eigentlich gibt es keine zweite Chance für einen ersten Eindruck.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Wo ich hier bin? Ach, habe ich es noch nicht erwähnt? Wenn man einen ehemaligen US-Außenministe&lt;strong&gt;n&lt;/strong&gt; mit einem Präfix versieht, der einen Raum beschreibt, in dem Frauen morgens länger brauchen als Männer, da bin ich. In einer Kurklinik, einer von vielen. Genauer werde ich es nicht beschreiben, weil ich keinen Ärger mit denen will, falls ich mal wieder vollmundig an der political correctness vorbeifabuliere.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Warum ich hier bin? Naja, die diesen Blog hier von Anfang an gelesen haben werden (er entsteht ja gerade), werden es also dann aus der Zukunft zurückschauend wissen. Und den anderen sei zugerufen: "nHi" ist eine selbstgestrickte Abkürzung für "nach Herzinfarkt"! Ja, mich hat's erwischt und niemand ist schuld außer mir selber, auch mal eine neue Erfahrung. Ich habe 6x zu viel gehabt, zu viel Rauchen, zu viel Fett, zu viel Zucker, zu viel Stress, zu viel kein Sport, zu viel genetische Disposition (Big Al's Daddy's Daddy starb an einem Herzinfarkt). Letzteres kann ich nicht ändern, alles andere schon. Aber ich habe mir in den Minuten der Todesangst (ja, ganz profan und ohne jede Übertreibung) geschworen, dass ich, sollte ich das hier überleben, zwar mich ändern aber keinen missionieren will. Es muss jeder selbst wissen, was er in seinem Leben in sich hinein frisst. Ich weiß es halt jetzt.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Beim Empfang hatte man mir noch diverse Formulare in die Hand gedrückt, ein Aufnahme-Terminblatt, eine Kurkarte und vieles andere in Formaten, die man aus A 4 schneiden und laminieren kann. A5, A6, A7, A8, 1/3 A4 quer, ½ A4 längs, ein Stück, ein Rest, da muss einer den Auftrag haben, kein Papier zu verschwenden…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Es standen so Sachen drauf wie "Bitte kommen Sie zu unserem Begrüßungsabend im Raum soundso…", "…zu unserer Informationsveranstaltung im Raum soundso…", "Achtung, heißes Wasser in der Dusche über 60° C, Verbrühungsgefahr!", "Keine Binden und Tampons in die Toilette werfen!" oder "Der Umwelt zuliebe: Handtücher bitte bis zum nächsten Wechsel benutzen!" - da schreibe ich sicher ein anderes Mal etwas darüber.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Ich bin widerwillig versucht zu bewundern, wie gut die hier vorausdenken und sich dabei verzetteln, aber dann wieder sehe ich hinter jedem laminierten Blatt, egal welchen Formates einen wahren Vorfall. Wie ein rotgekochter Körper ganz ähnlich wie bei Hitchcock mit aufgeregter Musik ("kreisch, kreisch, kreisch, kreisch, kreisch", wisst ihr noch?) in der Dusche liegt und es nicht mehr bis zum roten Knopf geschafft hat. Und die Chefärztin mit ernstem Gesicht sagt: "Schade. Exitus. Concierge, schreiben Sie mal einen Zettel und laminieren Sie ihn, ich diktiere: Achtung, heißes Wasser…"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-size:12pt;"&gt;Meine erste Aktion, nachdem wir die Zimmertür hinter uns zugemacht hatten (ja, Besuch darf da sein, wann er will, nur nicht zwischen 22.00 und 9.00 Uhr), war durchschnaufen. Bedrückend, irgendwie, Gesundheitsfabrik irgendwie… Aber es war keine Zeit für Gedanken, es war schon zehn vor zwei und um zwei musste ich beim Ruhe-EKG sein. Also los, Weibi blieb da und packte aus. Ich packte ein und ging los. Da waren viele Leute, die auf irgendwas warteten, also reihte ich mich mal hinten ein und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Das EKG selbst war nicht der Rede wert, außer, dass die Schwester ihre Sprühflasche liebte und mir alle Klamotten eingesaut hat.  Ich sah danach aus wie ein teilgeschorener Pudel, der in die Hose (und ins Hemd) gemacht hat. Bei der OP hatten sie mir schon mein Brustfell teilweise rasiert und jetzt wieder. Jede Schwester scheint ihren Lieblingsansatzpunkt für die schröpfkopfähnlichen EKG-Saugnippel zu haben und rasiert halt voller Inbrunst mit den Wegwerf-BICS Haare wo immer sie wachsen. Trocken natürlich…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;Zurück auf dem Zimmer war meine bessere Hälfte schon fertig mit dem Auspacken, hatte mir noch Obst und Pizzareste vom Vortag (man weiß ja nie) dagelassen, den Kühlschrank aufgeräumt (ja, es ist ein kleiner Kühlschrank auf dem Zimmer. Die Ausstattung ist sehr gut und fast nagelneu) und sich aufs Sofa gesetzt. Wo sie dann auch noch eine Weile saß, weil ich zum nächsten Termin musste: zur Anfangsuntersuchung.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;"Grieß Gott, main Name ist, sagen wir, Dr. Irina K."&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;"Grüß Gott, meiner ist Big Al's Daddy, was kann ich für Sie tun?" Sie musste lachen. "Falscher Anfan-g," sagte sie, "ich muss fragen, was ich für Sie tun kann." Alle Leute aus dieser Ecke der Welt sprechen das "g" noch mal extra. Also nicht "Anfang" wie in "enfant", sondern "Anfan-g" wie in "angenehm". Sympathisch, irgendwie. Ich sollte für heute aufhören zu schreiben, ich wiederhole mich, stilistisch, irgendwie. Das Gespräch dauerte eine Stunde, wenn ich mal Lust habe, kann ich es ja aus dem Gedächtnis niederschreiben. Stellt euch einfach vor, jemand fragt euch eine Stunde lang über Sachen, die detailliert im Arztbrief stehen und schreibt die Antworten dann sehr langsam (weil ja die Muttersprache kyrillisch geschrieben wird, arabisch ist für sie also wie japanisch für uns) auf einen Bogen mit standardisierten Fragen oder umkringelt vorgegebene Antworten. Kostprobe?&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;"Kennen Sie gähen?" "Ja, ich bin ja hergekommen." " Nein, ich maine län-ger." Da war es wieder, das g. "Ja." "Sicher?" "Sicher!" "Wie lan-ge?" "Länger." "Gutt."&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;"Sie habän spezielle Stuhl?" "Nein, ich muss ganz normal." "Nicht diese Stuhl, ich maine zum Sitzen." Upps. "Nein." "Gutt." Gemeint war ein barhockerähnlicher Stehstuhl für Gelenkerkrankte im Speisesaal.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;"Ist Ihnen kalt?" "Jetzt?" "Nein, sonst." "Nein." "Und jetzt?" "Jetzt ja." "Gutt, dann stelle ich Klimaanlage runter, äh hoch, also anders." "Gut, danke." Ich saß, das zur Erklärung, etwa eine Stunde oberkörperfrei in einem 18°-Zimmer.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;"Sind Sie inkontinent?" "Was?" "Inkontinent." "Nein." "Sicher? Ich frage, weil Sie nachfragten. Nachfragende sind immer inkontinent, weil es ihnen unangenähm ist zu sprechen darüber. Also?" "Also was?" "Sind Sie?" "NEIN!!!" Ich erhebe mich vom Bürostuhl, schaue demonstrativ nach, sie lacht, umkringelt im Bogen: nein. Uff.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;Ich bin zurück aufs Zimmer, habe dort meine Frau eingesammelt und sie zum Bahnhof gebracht. Ich muss ja bleiben. Sie nicht. Das war ein komischer Moment, als sie so mit dem Zug da wegfuhr. Ein ungewohnter Moment, kein schöner Moment. Seit ein paar Jahren machen wir alles, was irgendwie geht, zusammen. Das hier nicht. "Stell dich nicht so an!" sagt mein Mann-im-Ohr. "Quatsch nicht!" sage ich zu ihm "was verstehst du denn davon?" "Zugegebenermaßen nichts, aber du lebst doch, oder?" "Ja, das schon…" "Na, also" sagt er "sag' ich doch: stell dich nicht so an!"&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;Um zwei bin ich endlich eingeschlafen.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;br /&gt; &lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;*AHB – Anschlussheilbehandlung&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;*AGM – Anschlussgesundheitsmaßnahme&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;Künstlicher Unterschied der gleichen Therapie, AHB ist für Kassenpatienten, AGM ist für Privatpatienten.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;br /&gt; &lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;br /&gt; &lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;br /&gt; &lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;br /&gt; &lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: justify;"&gt;&lt;br /&gt; &lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6050194908807026426-219345942766969071?l=bigalsdaddysherz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/feeds/219345942766969071/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/22-tag-nhi-1-tag-reha-anreise-zur.html#comment-form' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/219345942766969071'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/219345942766969071'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/22-tag-nhi-1-tag-reha-anreise-zur.html' title='22. (Reha 1): Anreise zur AHB*/AGM*'/><author><name>Big Al's Daddy</name><uri>http://www.blogger.com/profile/05681753165724620269</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6050194908807026426.post-3822478642853619744</id><published>2009-07-14T17:29:00.000+02:00</published><updated>2009-08-10T17:30:20.310+02:00</updated><title type='text'>Badaboom</title><content type='html'>&lt;span xmlns=''&gt;&lt;p&gt;&lt;span style='font-size:12pt'&gt;Ich habe die folgende Schilderung immer ein bisschen vor mir hergeschoben, aus ganz verschiedenen Gründen. Wie beschreibt man einen Herzinfarkt, den man selbst erlebt hat, ohne dass es reißerisch wirkt? Wie beschreibe ich, was mich fast umgebracht hat, ohne dass mich die Erinnerung wieder fast umbringt? Wie unterhaltend darf ich, ja kann ich überhaupt schreiben, ohne dass es flapsig wirkt? Ach wisst ihr was, ich fange einfach mal an, korrigieren kann ich den Text dann immer noch. Und warum schreibe ich das hier überhaupt auf? Weil es mir hilft, es zu verarbeiten. So einfach ist es nämlich nicht, wie es sich im weiteren Verlauf des Blogs liest…&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style='font-size:12pt'&gt;Es ist Dienstag, der 14. Juli 2009, ein schöner Sommertag mit einem gefürchteten Termin für mich: ich muss zum Zahnarzt. Dort soll mir ein Zahn gezogen werden, eigentlich nichts besonderes, aber dieser Zahn war schon mal an der Wurzel vereitert, wurde behandelt durch Aufschneiden des Zahnfleisches, was besonders schön weh getan hat, weil man eine entzündete Stelle einfach nicht richtig betäuben kann, und sollte jetzt endlich raus. Der Zahnarzt ist ein hervorragender Könner seines Fachs, ich hätte gar keine Angst zu haben brauchen und hatte sie doch. Ich hasse das, was Zahnärzte tun, auch wenn ich meinen Dentisten persönlich sehr schätze. Wenn ich aber zu diesem Zeitpunkt geahnt hätte, wie weh mir dieser Tag noch tun würde – ich wäre meilenweit davongelaufen.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style='font-size:12pt'&gt;So aber habe ich Big Al's Paket zur Post gebracht, ich bin ja Big Al's Daddy, also schicken Glucke-san und ich ihm immer mal wieder was in die Diaspora der japanischen Feuchtgebiete, in der es keine Tankrucksäcke und keine Seitentaschen gibt, jedenfalls keine vernünftigen. Wir haben noch eine Orgie an Süßigkeiten, die letzten Illustrierten und Krimskrams eingepackt, weil DHL ja nur drei Sorten Pakete kennt: 30, 55 oder 80 Euronen für 5, 10 oder 20 kg. Wenn du also 10 kg verschickst und das Geraffel für deinen Abkömmling wiegt nur 6, was machst du dann? DHL das restliche Volume Weight schenken? Niemals nicht, der Junge ist doch sowieso so dürr, spricht Glucke-san und packt dazu, bis 9,8 kg erreicht sind, 200 g Karenz wegen der Zeigermissweisungen deutscher Postämter/DHL-Stationen. Ein netter Beitrag dazu ist in "Big Al in Japan" nachzulesen, ziemlich am Anfang.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style='font-size:12pt'&gt;Danach bin ich zum Zahnklempner gerumpelt, die Sprechstundenhilfe, die MTA, die… wie immer das, was die Frauen dort Großartiges leisten, richtig heißt, die hat sich gefreut, weil dann nur ein Teil der Mittagspause im A…, im Eimer ist. In das Wartezimmer bin ich so gegen dreiviertelzwölf eingelaufen – noch 75 Minuten bis zum GAU.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style='font-size:12pt'&gt;Auf dem Stuhl hat mir der Doc die erste Betäubung gesetzt, alles läuft gut, ein paar Minuten später die zweite Betäubung. Ich zittere, ich bin blass, ich fühle mich scheiße, alles ganz normal, denn so geht es mir fast immer auf diesem Dentisten-Foltergerät namens Behandlungsstuhl. Mein Doc, ich darf ihn mittlerweile so nennen, denn ich hatte ihn gebeten, ihn duzen zu dürfen, als es mir am dreckigsten ging und ich an ihn gelehnt am Sterben war ohne es zu wissen. Also, mein Doc setzt die Doppelsplitterzange an, den Unterknirschheber und den Weichteilzerquetscher (nur als Hinweis: das sind alles keine echten Fachausdrücke. Wie das Inventar wirklich heißt, dass der Doc da in meiner rechten Maulinnenseite verwendet, weiß nur er) und arbeitet den verdammten Restzahn aus dem Kiefer, der auch noch so unbeweglich festsitzt, als wäre er dort angewachsen.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style='font-size:12pt'&gt;Etwa gegen eins bricht mein Kreislauf zusammen, der restliche Blutdruck dümpelt so um 80 zu 50 rum, zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style='font-size:12pt'&gt;"Doc, mir geht es nicht gut." sage ich ganz leise, setze mich auf und lehne mich an ihn. Er steht relativ ruhig vor mir und überlegt fieberhaft (so hat er es mir hinterher geschildert), was er denn nun tun sollte. Die kreislaufstützenden Maßnahmen, feuchte Tücher, so ein Riechzeugs, so ein Pflanzenkram auf die Zunge, das half ja alles nix.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style='font-size:12pt'&gt;Wer zart besaitet ist, möge hier aufhören zu lesen. Ich schildere die nächsten Minuten nämlich so ehrlich wie ich kann.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style='font-size:12pt'&gt;Und plötzlich setzen die Schmerzen ein. Schmerzen, wie ich sie noch nie in meinem Leben gespürt habe und nie wieder spüren möchte. Es tut viehisch weh, so unbeschreiblich weh, so weh, dass ich das nicht mal den größten Arschlöchern wünsche, die ich in meinem Leben je getroffen habe. Mit den Schmerzen kommt die Angst, und mit der Angst kommt der kalte Schweiß.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style='font-size:12pt'&gt;Ich weiß nicht, dass ich gerade sterbe, aber ich fürchte es. Mein Körper teilt mir mit, dass die große, rechte Hinterwandarterie vollkommen zusammengefallen ist und sich nicht mehr öffnet. Große Teile meines Herz-Hinterwandmuskels sind nicht mehr mit Blut versorgt. Mein Nervensystem läuft Sturm, alle Adrenalinwerte schnellen in die Höhe, die Schmerzwellen, die mir mein Herz schickt, haben nur eine Botschaft: "Ich sterbe. Mach was!" Ich gebe diese Botschaft weiter, mein Doc versteht sie (ich bin ihm zu tiefstem Dank verpflichtet, durch seine richtige Entscheidung, sofort den Notarzt zu holen, kann ich das hier schreiben!) und ruft die 112. Die Schmerzen sind wie ein Korsett, in dem ich im Kreis Amok laufe. Es tut vom Hals an abwärts weh, bis zur Nierengegend, aber nur am Rücken und den Oberarmen. Was heißt "nur". Wenn auch nur ein Fleckchen mehr an mir ebenso geschmerzt hätte, wäre ich ohnmächtig geworden. So konnte ich mit Hilfe der Mädchen und des Docs in den Flur, um mich hinzulegen. Was ich nicht wollte, und mich immer wieder gegen die niederdrückenden Arme und das "Bleib doch liegen, der Notarzt kommt gleich!" wehrte. Ich wusste irgendwie, wenn ich erst einmal liege, stehe ich dort nicht mehr auf.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style='font-size:12pt'&gt;Ihr glaubt ja gar nicht, wie lange unter solchen Umständen 10 Minuten sind, in denen der Notarzt mit Blaulicht so manchen Deppen vor sich weggejagt hat, um mich zu retten. Aber da zieht nicht dein Leben an die vorbei, wie es oft beschrieben wird, jedenfalls zog meins nicht vorbei. Ich war zu beschäftigt, nicht kaputt zu gehen unter den Angst- und Schmerzattacken, die mich mürbe machten wie ein Hammerwerk den Stein. Ich war glasklar und doch wie betäubt, wenn man meinen seltsamen Zwischenzustand sehr kontradiktiv beschreiben will, und ich musste schauen, dass ich was sehen konnte. Irgendein hilfsbereiter Schlauli hat mir nämlich meine Brille weggenommen, die ich dann erst 2 Tage später wiederbekam. Tut so etwas nicht. Wenn es bei euch in der Nähe irgendeinem sehr schlecht geht, nehmt ihr/ihm nicht seine Sachen weg, auch in bester Absicht nicht. Steckt sie ihr/ihm in geschlossene Hosentaschen, in einen Beutel, den sie/er dabei hat, sorgt dafür, dass nichts wegkommt, aber nehmt es ihr/ihm nicht weg. Ich habe mich so alleine gefühlt, nachdem ich wieder schmerzfrei war (wann und wo das war, erzähle ich gleich weiter, nur ist mir dieser Passus mit den persönlichen Sachen so wichtig, dass ich ihn hier einflicken musste), weil nichts von dem, was außer mir selber mein tägliches Leben ausmacht, da war. Keine Uhr, keine Brille, kein Geldbeutel, kein Ausweis, kein Foto, kein Taschentuch, kein… nichts. Nur ich, nackt, in einem hinten offenen Operationshemd in einer Intensivstation.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style='font-size:12pt'&gt;Also, der Notarzt kommt, erste Geräte werden an mich drangeklipst, Sauerstoffsättigung, Blutdruck, Puls, EKG… ein Zugang wird gelegt, linkes Handgelenk. Ich sehe das alles, aber ich habe Mühe zu erkennen, wer da behandelt wird. Mittlerweile hatte man mich auf eine winzige Trage geschnallt und sediert, mit irgendeinem künstlichen Morphin, ein Teufelszeug. Die Welt wird wie ein Tunnel, die Zunge schwer, arti... kull… ieren… fääääällt… wahn… sin… nig… schweeeeer, aber ich bin wach, wenn auch zugedröhnt. Nur die Schmerzen bleiben, sie gehen und gehen nicht weg. "Geht weg!" sage ich, "geht doch endlich weg!" Der Notarzt hört das und sagt zum Fahrer: "Da ist eine Senkung (oder Hebung, ich weiß nicht mehr genau, welches Wort er verwendet hat) im EKG. Fahr schneller!" Da erst habe ich begriffen, dass es wirklich ernst ist.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style='font-size:12pt'&gt;"Du wolltest doch schon immer mal mit Blaulicht durch die Stadt fahren. Und jetzt machst du's." Seltsam, was man so denkt… die ganze Situation ist unwirklich, wie ein Film, wie ein schlechter Film, mit einem saublöden Drehbuch, kaum Handlung, ein Haufen Laiendarsteller, ab und zu ein Profi… Ich dachte plötzlich an meine Frau. "Hat… einer… meiner… Frau…?" "Ja, der Zahnarzt hat sie angerufen." "Und…?" "Was und?" "Ja, holt die mich ab?" Der Arzt schweigt. Ich merke das sehr wohl. Ich höre alles auf einmal, das Martinshorn, den Straßenlärm draußen, den Arzt, mich, den Motor des Rettungswagens, also höre ich auch, wie der Arzt plötzlich schweigt. "Nicht gleich" sagt er dann und räuspert sich, "nicht gleich…"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style='font-size:12pt'&gt;Jahre vergehen, während wir in die Klink rasen, 10 Minuten lang. &lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style='font-size:12pt'&gt;Jetzt fehlen mir etwa 2 Minuten. Ich weiß auch nicht, ob ich die einfach vergessen habe, weil mein Gehirn mit dem Speichern anderer Werte beschäftigt oder ob ich wirklich weggetreten war. Was egal ist, weil ich in beiden Fällen nichts darüber berichten kann, wie ich vom Notarztwagen in den OP gelangt bin. Die Wahrnehmung setzt wieder ein, wie mich eine Gruppe von Schwestern oder Pflegern von der Trage auf den OP-Tisch schubst. Ja, eine bessere Beschreibung habe ich nicht. Eben noch auf der Trage, und jetzt, tataaaa, auf der Showbühne. Ach nee, das war ja Rudi Carrell. Bei mir war es deutlich profaner und fast noch deutlicher unspaßig. Dort wurden mir die Hände gefesselt und nach oben gezogen wie auf einer Streckbank. Das war so unangenehm, dass ich drum gebeten habe, mir die Hände zu lockern, ich würde schon nichts anfassen.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style='font-size:12pt'&gt;Das war eine eindeutig falsche Beurteilung der Sachlage, ich fasse mal zusammen: in einem Not-OP-Saal liegt ein akuter Hinterwandinfarkt und braucht einen Stent, sonst können sie ihn in einer Stunde einbuddeln. Der Patient wird gestreckt und unterkühlt (16° im OP-Saal), damit der Katheter keine Arterien zerfetzt und der Herzspezialist in 9 Minuten eine unglaubliche Fisselarbeit durch die Leistenarterie machen kann, bei der es um Zehntelmillimeter geht und er das alles nur auf einem Röntgenschirm sieht. Und was sagt der 55jährige, der morgen Geburtstag hat, wenn wir ihn heute zusammenflicken? "Macht mir die Hände los, ich fasse schon nichts an…"&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style='font-size:12pt'&gt;Tja, so bin ich eben. Immer auf der Höhe des Geschehens, immer genau im Bild.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style='font-size:12pt'&gt;Dann hörten die Schmerzen auf. Ich habe vor Freude geweint. Und vor Angst, dass sie wiederkommen. Aber bis heute sind sie weggeblieben und ich werde alles dazu tun, was ich kann, dass das so bleibt. Viele Hände haben an diesem Tag dafür gesorgt, dass mein Leben nicht ausging wie eine Kerze im Wind (Lady Di möge mir mit Elton John verzeihen, dass ich hier wohl eine sprachliche Anleihe mache), die wundervollen Menschen aus einer kleinen Zahnarztpraxis in dem Ort, in dem ich lebe, gehören dazu, das OP-Team, der Notarzt und sein Fahrer, der Herzspezialist, ein unbekannter Sani, der die ganze Technik trug, die an mir dran war, das Intensivstationspersonal und wer, was weiß ich schon, noch alles.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style='font-size:12pt'&gt;Ihnen allen, größtenteils unbekannterweise, ein von Herzen kommendes Dankeschön. Im wahrsten Sinne des Wortes.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6050194908807026426-3822478642853619744?l=bigalsdaddysherz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/feeds/3822478642853619744/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/badaboom.html#comment-form' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/3822478642853619744'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6050194908807026426/posts/default/3822478642853619744'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bigalsdaddysherz.blogspot.com/2009/08/badaboom.html' title='Badaboom'/><author><name>Big Al's Daddy</name><uri>http://www.blogger.com/profile/05681753165724620269</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry></feed>
